Tom Gaebel - Easy Christmas - Cover
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Tom Gaebel Easy Christmas


  • Label: Telemedia/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn der Kitsch im letzten Drittel Überhand zu nehmen droht, muss man das Ganze einfach mit einem Augenzwinkern betrachten.

Okay, Mutters alljährlich entstaubte Kirchenchor-Kompilation mit Hits wie „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Ihr Kinderlein kommet“ locken erst Recht niemanden mehr so wirklich hinterm besinnlich geschmückten Ofen hervor, aber wenn diverse Pop-Prinzessinnen jaulend deren englischsprachige Nachfahren schänden, ist das doch auch nicht viel besser. Dann lieber warm, unaufdringlich, swingend: Tom Gaebel.

Bekannt wurde der in Gelsenkirchen geborene Entertainer vor einigen Jahren als eine Art Frank-Sinatra-Stimmimitator – ein kleines Phänomen, sein Organ. Heute hat er sich bei einer treuen Fangemeinde als deutscher Pionier der Swing-Musik, der auch Pop-Einflüsse nicht scheut und neben zahlreichen Coverversionen ebenso starke Eigenkompositionen zu bieten hat, etabliert. Denkt man an Gaebels musikalische Vorbilder, macht ein Weihnachtsalbum für ihn durchaus Sinn. Wie es der Titel schon andeutet, untermalt die Scheibe das Fest der Liebe abwechslungsreich und angenehm in bester Easy-Listening-Manier.

Anders als bei den meisten Weihnachtsalben regieren beim Hören von „Easy Christmas“ ein „Schubidu“-Feeling und sanft wippende Hüften. Das liegt sowohl an den liebevollen Big-Band-Arrangements als auch an der Songauswahl an sich. Gaebel legt den klaren Schwerpunkt auf amerikanische Weihnachtslieder aus den 40er Jahren, die meist erst ein, zwei Jahrzehnte später durch Neuinterpretationen große Berühmtheit erlangten. Das sind „The Christmas Song“, „Have Yourself A Merry Little Christmas“, die Evergreens „White Christmas” und “Let It Snow” sowie “Baby It’s Cold Outside”, ein Duett mit Katrin Bauerfeind, die eigentlich nur als Fernsehmoderatorin bekannt ist, aber mit einer butterweichen, fast rauchigen Singstimme überzeugt.

Eröffnet wird mit dem bereits in den 30er Jahren erstmals erschienenen „Santa Claus Is Coming To Town“ (witzigerweise eine Gemeinsamkeit mit dem aktuellen Mariah Carey Weihnachtsalbum, doch letzteres verwendet das Lied nur in einem kurzen Instrumentalintro). Mit „The Most Wonderful Time Of The Year“ ist ein 60er-Original vertreten und der jahrhundertealte Klassiker „Jingle Bells“ darf auch nicht fehlen. Garniert und aufgepeppt wird das Ganze durch ein paar vergleichsweise neuere Titel („Driving Home For Christmas“, „The Bell That Couldn’t Jingle“, „All I Want For Christmas Is You“) sowie die zwei Eigenkompositionen „Winter Song“ und „Love On A Winters Day“, welche sich wie immer nahtlos in die Reihe der Coversongs eingliedern.

Tom Gaebel liefert mit „Easy Christmas“ eine bunte Zusammenstellung mit elf Weihnachtshits, die auf erfrischende Weise in neuem Glanz erstrahlen. Da hat man auch nie das Gefühl, dass ein Sakrileg begangen wird. Und wenn der Kitsch im letzten Drittel doch mal Überhand zu nehmen droht, muss man das Ganze einfach mit einem Augenzwinkern betrachten, wie Gaebel es bei seinen gefeierten Bühnenshows oft selbst tut. Da „Easy Christmas“ bereits im Oktober erschien – nur wenige Monate nach dem aktuellen regulären Studioalbum „Music To Watch Girls By“ – ist es kurz vor Weihnachten nochmal an der Zeit, eine ausdrückliche Kaufempfehlung auszusprechen. Schließlich wünscht man sich vom Weihnachtsfest ja auch meistens, dass es endlich mal wieder ganz „easy“ verläuft.

Anspieltipps:

  • Jingle Bells
  • The Bell That Couldn’t Jingle
  • The Christmas Song
  • Baby It’s Cold Outside
  • Love On A Winter’s Day

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