Beat!Beat!Beat! - Lightmares - Cover
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Beat!Beat!Beat! Lightmares


  • Label: Richard Mohlmann Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es heißt immer man soll seinen eigenen Stil finden, doch die Wahrheit ist, dass nichts die Karriere besser beflügelt als ein Vergleich mit Genregrößen und anderen, angesagten Newcomern. Wen das renommierte Blatt NME also sagt, dass Beat! Beat! Beat! „Die deutsche Antwort auf Foals“ seien, dann ist das ein Lob und kein Vorwurf von Ideenklau. Was ist dran am Lob und warum schert sich ein britisches Blatt überhaupt um einen deutschen Neuling? Die Antwort liegt auf der Hand und nach Einlegen der CD auch schnell in den Ohren, denn Joshua, Marius, Markus und Tim überzeugen mit einer Schippe Shoegaze und viel Pop-Rock, der den Foals tatsächlich in Nichts nachsteht und der hier und da die Creme de la Creme der Insel zitiert.

Spätestens nach dem dritten Song hat man den Eindruck, dass die Abiturienten die Finger nicht von den Arctic Monkeys lassen konnten. Anstatt der unbändigen Kraft der erfolgreichen Singles hat man sich jedoch mehr auf die ruhigeren Momente der Scheiben konzentriert und daraus seinen eigenen Cocktail gemixt. Das trifft es fast noch besser als der Vergleich mit den Foals und eine Parallele mehr kann unseren deutschen Jungspunden nicht schaden. Synthie-Ausflüge in „You're Designer“ zeigen den Willen zur musikalischen Dreidimensionalität und unterhalten auf verschiedenen Ebenen. Wer britischer Musik (aus Deutschland) nicht abgeneigt ist, der wird hier vielfältig unterhalten, auch wenn er die üblichen, krachenden Singles vermissen wird.

Shoegaze ist zu sehr Trumpf für das Quartett und so stimmen die Gitarren lieber eine wabernde Klangsphäre an, anstatt mit prägnanten Riffs für tanzende Massen und tobende Clubs zu sorgen. Das Gefühl steht im Vordergrund, wobei deutlich wird, dass die Jungs sich auch in der Pop-Sparte zu Hause sehen. Die Melodien passen, wirken unverbraucht und müssen sich vor Foals und Arctic Monkeys (man erinnere sich an die Einschränkungen) nicht verstecken. Kein Track plätschert einfach so vor sich hin. Anstatt dessen schafft das Quartett es von Track zu Track erneut, dass die wohlige Wärme der Arrangements sich aufs Neue entfaltet. „Bravery“ ist gewiss nicht der erste verschmuste Song auf „Lightmares“, aber er klingt auf eine neue Art angenehm. Eine starke Leistung, die vollen vierzig Minuten mit guten Klängen zu versorgen. Belanglosigkeit sucht der Hörer vergebens.

„Fireworks“ spielt mit dem Geist der 90er-Jahre. Zum Glück mit jenem des Brit-Rocks, der eine der wenigen Konstanten dieses Jahrzehnts darstellt. So ungezwungen wird mit den vertrauten Klängen gespielt, dass man auch weiterhin den deutschen Ursprung der Platte vergisst. Zu authentisch wirken der akzentuierte Gesang in einem „I See It Glisten“ und die sorglosen Oh-Ohs im stimmungsvollen Schlusslied. Brit-Rock-Fans werden Tränen in den Augen haben und wenn sie dann noch aus Deutschland kommen, wird dieser würdige Vertreter des Genres auch noch für die ein oder andere stolz herausragende Brust sorgen. Wer sich sorgt, dass die Jungs es für nötig halten so britisch zu wirken, sollte im derzeitigen Deutsch-Rock-Dschungel versuchen einen klaren Stil auszumachen.

Anspieltipps:

  • You're Designer
  • I See It Glisten
  • Lightheavy Rapture

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