Sarah Connor - Real Love - Cover
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Sarah Connor Real Love


  • Label: X-Cell/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Real Love“ wirkt nicht wie ein neues Album der Delmenhorsterin, sondern mehr wie das Debüt eines Castingshowgewinners.

Etwas mehr als zwei Monate, nachdem sich Sarah Connor „Sexy as hell“ (08/2008) präsentierte, wurde die Trennung von Natural-Sänger und Gitarrist Marc Terenzi verkündet und im März 2010 offiziell geschieden. Gut für ihn, denn jetzt kann er endlich wieder zurück nach Amerika. Für die Delmenhorster Diva wohl auch kein großer Rückschlag, weil sie so einfach ihren Manager Florian Fischer als neuen Partner in allen Lebenslagen verpflichten konnte. Eine geglückte Verbindung zwischen Beruf und Privatleben, wenn man so will. Im Bezug auf ein neues Studioalbum war diese Nachricht jedoch eher zweitrangig, da die 30jährige ohnehin einen fixen Themenkreis (Liebe, Schmerz, verletzliche Frau, selbstbewusste Frau, Party) abgrast, der den aktuellen Trends angepasst in unterschiedliche Klanggewänder gepresst wurde anstatt sich von ihrer eigenen persönlichen Lage inspirieren zu lassen. Die Frage, die sich bei einem Album dieser Größenordnung also jedes Mal aufs Neue stellt: Ist eine Kritik hierfür überhaupt notwendig?

Logisch! Immerhin könnte Frau Connor plötzlich in die Fußstapfen von Angela Gossow (Arch Enemy) treten und melodischen Death Metal zum Besten geben, doch das wäre wahrscheinlich ein etwas zu herber Stilbruch. Nein, „Real love“ ist erwartungsgemäß „bieder as bieder can be“ und bedient sich prompt am üppig gedeckten Chartsbuffet, das in den letzten zwei Jahren besonders prachtvolle Ideen zur eigenen Verwurstung angeboten hat. Keineswegs verwunderlich ist daher der Einsatz von Autotune, dem hoffentlich bald qualvoll sterbenden, derzeit grassierenden Krebsgeschwür der rezenten Popmusik. Ob Sarah jemand gesagt hat, dass man eine eigentlich gute Stimme nicht unnötig verfälschen muss? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, denn sonst würde der Einstieg in „Real love“ nicht mit „Cold as ice“ und „Carry me home“ zwei lupenreine Autotune-Vergewaltigungen mit sich bringen. Stampfende Disco-Beats umgarnen verzerrte Vocals, Electro-Sounds bezirzen geloopte Gitarrensamples und die Identität geht schnurstracks flöten. „I´m just a little weak“ heißt es da, bevor selbst das Stroboskop auf Durchzug schaltet. Herrlich! Wer singt das nochmal?

Dezente Soul-Anwandlungen blitzen in „Leave with a song“ genauso wie Cheryl Coles „Fight for this love“ auf, „Stand up“ ist mittelmäßiges Dancefutter auf niederer Herzfrequenz und „Can´t get over you“ humpelt irgendwo zwischen Disco und Retro-Charme umher, während „Better man“ der Acid-Trip für die Ü40-Klientel ist und „Time to“ sich den Gnadenschuss mit lästigen, unregelmäßig auftretenden Soundeffekten und einer willkürlichen Mischung aus Rock und R´n´B setzt. Bevor die CD allerdings im nächsten Shredder landet, lenkt Sarah ein und gesteht „Down on every street is a ch-e-e-e-e-e-e-p beat“ und meint wohl gleich den stumpsinnigen Dadaismus des anschließend dargebrachten „Rodeo“ und die restlichen Kompositionen, die ausschließlich Balladenfutter darstellen. Schließlich ist Miss Connor nach „From Sarah with love“ und ihrer auf „Real love“ noch nicht wirklich zum Tragen gekommenen Soulstimme prädestiniert für gefühlvolle Bombastschmachtfetzen aus der untersten Mottenkiste.

Das Schema dazu ist wohl bekannt: Wenn es sich nicht gerade um (im besten Fall) gänsehautfordernde, eher minimalistisch gehaltene Balladen mit Piano- und Streicherunterstützung („Real love“, „Back from your love“) handelt, müssen entweder schunkelige Melodien („Break my chains“), eindringliche Beats („It only hurts when I breathe“, „Miss U too much“) oder aufbrausende Soul/R&B-Tracks mit amtlichem Finale nach internationalem Vorbild („Keep the fire burnin´“, „Soldier with a broken heart“) herhalten, die dem Organ Connors zwar bedeutend mehr abverlangen als ihre fetzigen Kollegen, doch dafür erreichen die meisten dieser Stücke mühelos die Note 10 auf der Schnarchskala. „Real love“ wirkt daher nicht wie ein neues Album der Delmenhorsterin, sondern mehr wie das Debüt eines Castingshowgewinners, bei dem großer Wert auf Vielfältigkeit ohne Tiefgang gelegt wurde, um nach dem Feedback der Zielgruppe für folgende Veröffentlichungen eine ungefähre, stilistische Richtung einschlagen zu können. Dass Sarah diesen Prozess absolut nicht nötig hätte, weiß sie tief in sich drinnen aber wahrscheinlich selber.

Anspieltipps:

  • Carry Me Home
  • Miss U Too Much
  • Back From Your Love

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