Die Antwoord - $O$ - Cover
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Die Antwoord $O$


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es soll wie ein Gesamtkunstwerk wirken, was Die Antwoord auf „$O$“ und in ihrer Außendarstellung abliefern.

Lady Gaga hat es uns unauslöschlich ins Gehirn eingebrannt: Man kann sich gar nicht bekloppt genug benehmen (Stichwort: „Fleischkleid“), um im Showgeschäft tagtäglich im Gespräch zu sein. Genau hier setzt auch das Konzept des südafrikanischen Trios Die Antwoord an. Dieses präsentiert mit „$O$“ ein total abgefahrenes Electro-HipHop-Album, bei dem sich der Hörer mehr als einmal fragen muss, ob er sich im richtigen Film befindet. Die Protagonisten treiben es jedenfalls inhaltlich wie musikalisch auf die Spitze.

Da wäre zum einen der dauerbekiffte Ninja alias Waddy Jones, der scheinbar mit einer Billardkugel im Mund zu rappen scheint, zum anderen gibt sich eine offenherzige Dame namens Yo-Landi Vi$$er mit Micky-Maus-Gesangsstimme die Ehre, während der schwergewichtige DJ Hi-Tek im Hintergrund die Fäden zusammenhält. Gerappt und gesungen wird dabei im selbsternannten „Zef-Style“, der sich an die südafrikanische Amtssprache Afrikaans anlehnt, aber tatsächlich klingt, als würde Borat Sagdiyev aus Kasachstan das Mikrophon schwingen. Dazu kommen Texte, die sich mit Leichtigkeit den „Parental Advisory“-Sticker verdienen, da in ihnen über gebühr die Worte „Penis“ und „Vagina“ in allen Variationen und, ähem, Zusammenhängen vorkommen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Kann der Otto Normalhörer so etwas auch nur im Ansatz gut finden? Schließlich steuert das Majorlabel von Die Antwoord in seiner Marketingkampagne deutlich in eine gagaeske Richtung und nimmt dem Trio damit eventuell den letzten Rest an Ernsthaftigkeit. Der Waschzettel der Plattenfirma will zumindest in keiner Weise aufklärerisch wirken. Darin wird genau wie in den Texten von Die Antwoord mächtig auf die Kacke gehauen.

Es soll wie ein Gesamtkunstwerk wirken, was Die Antwoord auf „$O$“ und in ihrer Außendarstellung abliefern. Doch klammert man die fast schon satirisch wirkenden Texte und den schrägen Gesang aus, haben wir es mit einem auf der Höhe der Zeit produziertem Album zu tun, auf dem sich Dicke-Hose-Beats befinden, die so manchem Rapper die Schweißperlen auf die Stirn treiben („In your face“, „Rich bitch“). Wozu The Neptunes und Timbaland engagieren oder die Black Eyed Peas kopieren? Hier sind drei Newcomer am Werk, die sich am Sound genannter Kollegen orientieren, aber ihr ureigenes Ding daraus drehen. Das bringt frischen Wind in die Szene, birgt aber auch ein erhebliches Nervpotenzial.

Bei den drei Südafrikanern geht es eben zu wie auf dem Rummelplatz. Und während der Hörer noch rätselt, ob es sich dabei um HipHop oder Electro-Pop handelt („Enter the Ninja“), würzen Die Antwoord ihren Sound mit E-Gitarren, stampfenden Polka-Rhythmen und Comic-artigem Treiben („Doos Dronk“), ehe man mit einem beherzten „Fuck you!“ aus einem Kindermund verabschiedet wird. Fazit: Soviel Irrsinn auf einer einzigen Platte gab es lange nicht mehr. Nicht alles davon ist toll, dafür aber grundsätzlich spannend und neu. Und mit den erwähnten Soundanleihen gehen Die Antwoord so um, dass man sie nicht als Abkupferer in die Ecke stellen kann. Klingt stimmig, ist aber eine ganz schöne Achterbahnfahrt.

Anspieltipps:

  • Beat boy
  • Rich bitch
  • Enter the Ninja
  • She makes me a killer

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