Malika Ayane - Grovigli - Cover
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Malika Ayane Grovigli


  • Label: Sugar/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Bis auf eine halbe Hand voll netter Pop-Ideen lieferte Malika Ayane mit ihrem Debüt nicht viel. Ihre Stimme, das möchte niemand anzweifeln, gehört zu den besseren im Pop-Business, doch dieser Bonus macht noch kein gutes Album. Zu sehr verließ man sich auf triefenden Italo-Pop ohne Ecken und Kanten und verschenke viel Potenzial. Die Verkaufszahlen geben den Machern dieses Pop-Juwels zwar recht, doch wer hinter die Fassade sieht, entdeckt nicht mehr viel. Woran soll sich Malika nun halten? Will sie ihr Auskommen sicher sichern oder wagt sie etwas Neues, das den glatt geschmirgelten Ohren der Hörer aufstoßen könnte? Oder – man will es kaum heraufbeschwören – schafft sie beides?

Der Opener überrascht und ist doch genau das, was man von Malika erwarten müsste. Klassisch angehauchter Pop mit viel Pathos aber erstaunlich wenig Zucker. Italo-Pop? Ja, aber ganz klar von der besseren Sorte. „Ricomincio Da Qui“ suhlt sich nicht nur in zerfließenden Streicher-Wellen, sondern weiß durch großen Klang zu gefallen. Das Gezeichnete Ich machte vor, wie es gehen kann. Danach gibt es mit „Thoughts And Clouds“ einen Gute-Laune-Hallo-Die-Sonne-Scheint-Ja-So-Schön-Track, der ebenfalls keinen Preis für Einfallsreichtum bekommt. Dafür gibt es fröhliche Chöre im Hintergrund und eine Malika, die befreit wirkt. Zwar verkauft die Sängerin ihre Stimme etwas unter Wert, was bei dieser Lebensfreude jedoch gerne vergessen werden kann.

In „La Prima Cosa Bella“ singt sie wieder brav eine Pop-Ballade. Aber was heißt brav? Ayanes Stimme ist wirklich eine der Perlen im weiten Pop-Ozean und wenn die Arrangements nicht alle so brav und uninspiriert wären, dann könnte diese Frau auch sämtliche Kritiker überzeugen. „Brighter Than Sunshine“ ist ein erster Schritt weg vom immer gleichen Klang und könnte auch von Norah Jones oder Katie Melua stammen. Pfeifen, Bläser und Akustikgitarre sorgen für kunterbuntes Pop-Vergnügen, welches kurzweilig für Amusement sorgt. Auch „Little Brown Bear“ bringt mit Chanson alter Schule neues Leben in Malikas früher so eindimensionale Künstlerdasein.

Außer den nächsten Stücken „Il Giardino die Salici“ und „Chiamami Adesso“ gibt es bis zum Schlusstrio auch keinen Orchester-Pop mehr. Zwar spricht das halbe Dutzend an Klassik-Pop-Songs eine eigene Sprache und erinnert stark an das Netz für Artisten, doch dieser Makel kann auf Malika Ayanes neuem Album durchaus gestattet werden. Besonders weil letzteres Lied mit überraschend anspruchsvoller und ohne viel Romantik auskommt und so ganz neue Facetten an Malika zulässt. Die wenigen, modernen Popsongs (zumindest kommen nun drei am Stück) überzeugen mit weiten Klanglandschaften („Soul Waver/Sospesa“), sowie frechen, wenn auch etwas aus der Mode geratenen Feel-Good-Melodien („Satisfy My Soul“, „Feeling Better“), die tatsächlich berühren und nicht einfach nur kitschig sind.

Malika Ayane hat es tatsächlich geschafft noch nicht völlig ins Kitsch-Millieu abzurutschen. Ihre Stärken liegen leider bei den dick aufgetragenen Balladen, aber oft genug zeigt die junge Sängerin, dass ihre Stimme wirklich etwas hergibt. Noch ein Track der Marke „Soul Waver/Sospesa“ oder Überraschungen wie „Little Brown Bear“ könnten aus Malika Ayane mehr machen, als einen Liebling der Liebhaber der leichten Kost. Mut macht, dass „Soul Waver/Sospesa“ aus ihrer eigenen Feder stammt. Eventuell kann die junge Frau ihre eigenen Ideen noch öfter zu Songs machen, wenn sie denn den Willen besitzt und das Studio ihr Zeit und Raum gibt. Bei dieser Stimme wäre es zu wünschen.

Anspieltipps:

  • Soul Waver/Sospesa
  • Little Brown Bear
  • Chiamami Adesso

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