Daath - Daath - Cover
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Daath Daath


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Daath stehen seit ihrem 2004 in Eigenregie entstandenen Erstling „Futility“ für ausgefuchsten Metal, der ständig mit Hörgewohnheiten brechen will und sich rasend schnell von einer ruhigen Kindergartendisco zu einem ausgewachsenen Bulldozer entwickeln kann. Tracks wie „Dead on the dance floor“ und „Who will take the blame?“ vom Majordebüt „The hinderers“ (03/2007) zeigten in nahezu infantiler Gleichgültigkeit, wie man auf sich aufmerksam machen kann, während der Nachfolger „The concealers“ (04/2009) mit mächtig arschtretenden Kompositionen in einer weniger überladenen Atmosphäre („The worthless”, „Silenced“) nachlegte. Welchen Weg werden Sean Zatorsky (Gesang), Emil Werstler (Gitarre), Eyal Levi (Gitarre), Jeremy Creamer (Bass), Mike Kameron (Keyboard) und Kevin Talley (Schlagzeug) mit ihrem nunmehr vierten, schlicht „Daath“ betitelten Ungetüm einschlagen?

„Es ist die intensivste Ladung Songs, die wir je auf CD gebannt haben. Wir gingen mit der Absicht ins Studio, eine Freakshow von einem Album auf die Beine zu stellen und wir haben es geschafft. Leute, die nach einer akustischen Abrissbirne suchen, werden erfreut sein. Leute, die nach einem Album suchen, auf dem sie selbst nach einem Jahr noch neue Elemente entdecken können, werden das Album lieben. Leute, die mit einer voreingenommenen Meinung darüber, wer wir sind und wie wir uns anhören, an die Sache herangehen,
werden höchstwahrscheinlich sehr überrascht sein.“ erklärt Gitarrist Levi, während der Opener „Genocidal maniac“ gemächlich aus den Boxen kriecht und eigentlich schon wieder aus ist, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Von einer Überraschung kann also durchaus gesprochen werden, bleibt nur die Frage, ob so etwas sinnvoll ist.

Das anschließende Doppelpack „Destruction / Restoration“ und „Indestructible“ zieht jedenfalls keinen Hering vom Teller und klingt mehr nach einer durchgeknallteren Version mehrerer Chimaira-Songs auf Steroiden, während „Double tap suicide“ eine bloße Aneinanderreihung von unterschiedlichen Ideen darstellt, die mehrere Taktwechsel zur Folge haben, aber progressiv mit unausgeglichen verwechseln. Mit „The decider“ wird endlich etwas an Fahrt aufgenommen, sonderlich spektakulär ist die Todesbleiraserei trotzdem nicht. Dafür prügelt sich „Exit plan“ mit ganz eigenen Groove in die Schädeldecke, „Oxygen burn“ jagt in hohem Tempo über mehrere Geschwindigkeitshubbel und schafft es zum Glück sich dabei nicht selber in den Kopf zu schießen, „Accelerant“ zieht die Daumenschrauben mit der gewohnt ungewöhnlichen Daath-Struktur permanent an, bis „Arch (enemy) misanthrope“ durch ruhige Passagen interessant bleiben will, sich damit aber den Wind aus den Segeln nimmt. Da können Werstler und Levi aberwitzige Gitarrenleads ausspucken, wie sie wollen.

Eine Wende zeichnet sich in „Manufactured insomnia“ ab, da Daath recht stimmungsvoll in Doom-Gewässern waten, allerdings bleibt der Track aufgrund seiner nicht ganz drei Minuten eine Blaupause. Den letzten erkennbaren Höhepunkt setzt der Fünfer mit „A cold devotion“, indem er die Zutaten für eine sprunghafte Meshuggah-Nummer in eigene Worte fasst, denn „N.A.T.G.O.D.“ bleibt trotz kurzer Soloattacke im hinteren Drittel ohne erkennbaren Wiederspielwert und „Terminal now“ ist lediglich eine überflüssige Jamsession. In dieser Form ist Daath jedenfalls keine Evolution am extremen Metalsektor beschieden, sondern eher ein gähnender Rückschritt. Die versprochene Intensität wirkt verschwommen, sodass kein wirkliches Ziel, außer das, sich irgendwo zwischen Meshuggah, Chimaira, Mnemic und Devildriver zu positionieren, erkennbar ist. Wieso hier also der eigene Bandname herhalten musste, weiß der Teufel.

Anspieltipps:

  • Exit Plan
  • Accelerant
  • Oxygen Burn
  • A Cold Devotion

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