Zin - The Definition - Cover
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Zin The Definition


  • Label: Upart/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

ZIN steht nicht nur für „Züchtungsinitiative Niederelbe“, sondern auch für eine vierköpfige Truppe aus Leipzig, die seit 2006 mit einem eigenwilligen Klangteppich überregional für Aufsehen sorgen kann. Aushängeschild ist Sänger Iven Cole, der seiner Band ihre zweite Bezeichnung als „Placebo Leipzigs“ einbrachte, da seine Stimmfarbe und sein mitunter wehklagender Gesang im ersten Moment sofort an Brian Molko erinnert. Vincent Oley (Gitarre), Markus Estbourg (Synthesizer) und Mika (Schlagzeug) brauchen sich aber keinesfalls hinter dessen markantem Organ verstecken, denn die stark elektronisch angehauchten Stücke auf ihrem Zweitling „The definition“ wollen stets als Gesamtkompostionen verstanden werden und nicht als One Man Show.

Dies wird nach dem kammermusikalischen Öffner „White peaches“ ohnehin zur unüberhörbaren Selbstverständlichkeit, da das süchtig machende „2010“ mit Handclaps, pumpendem EBM-Beat und eingewobenen Gitarren selbst nach mehreren Durchläufen nichts von seiner Tanzbarkeit verliert und daran ist eben nicht ausschließlich Cole schuld. ZIN bieten zudem in den folgenden 40 Minuten ein ansprechendes Potpourri aus Indie-Ästhetik, dunklem New Wave zwischen The Cure, New Order und Joy Division, minimalistischen Sounds und sorgsam aufgebauten Juwelen, die sowohl die rohe Energie der frühen Placebo (bis „Black market music“) ausstrahlen als auch die wahnwitzige Progressivität von Velvet Underground oder Muse für sich beanspruchen.

Dabei fällt zwar nicht immer eine gänsehautfördernde, schwarze Seele wie „The pilgrim“ vom Stapel und ZIN übertreiben ihre scheinbar grenzenlose Genrefusion durchaus, was entweder in Repetition ausufert („She“) oder mit saftigen Rockgitarren weniger mundet („Swim!“), doch alles in allem bewegen sich Cole & Co. auf geschmackssicherem Terrain, das weder vor klassischer Unterstützung Halt macht („Visual Bolero“), noch abgeneigt ist ausgiebig dem Pop zu frönen („We claim monarchy“). „The definition“ steht für eigenwilligen, jedoch stets aufgeschlossenen Pop/Rock mit dem richtigen Schuss Electro. Musikhörer, die gefordert werden wollen, sind hier an der richtigen Adresse.

Anspieltipps:

  • 2010
  • The Pilgrim
  • Visual Bolero
  • We Claim Monarchy

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