Loreena McKennitt - The Wind That Shakes The Barley - Cover
Große Ansicht

Loreena McKennitt The Wind That Shakes The Barley


  • Label: Quinlan Road/EDEL
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Hingebungsvolle Präzisionsarbeit und die Welt umarmender Kitsch liegen wohl bei keinem Künstler näher beieinander als bei der Kanadierin Loreena McKennitt. Lange Zeit war es still um das seltene Beispiel einer autarken Singer/Songwriterin, die ihre Veröffentlichungen selbst produziert und unter ihrem eigenen Label Quinlan Road an den Mann und die Frau bringt, doch seit „An ancient muse“ (11/2006) verging kein Jahr indem nicht mindestens eine mehr oder weniger neue Platte oder Zusammenstellung das Licht der Musikläden erblicken durfte. War es die Grammy-Nominierung für ihr siebtes Studioalbum, welche die mittlerweile 53jährige zu ungeahnter Produktivität anspornen ließ oder hat McKennitt einfach genügend Ideen während ihrer neunjährigen Schaffenspause seit „The book of secrets“ (05/1997) gesammelt um ihre Fans nun regelmäßiger mit ihrer Mischung aus keltischer Folklore und behutsam inszenierten Klanggebilden zu erfreuen?

Loreenas achte, offizielle Schöpfung „The wind that shakes the barley“ (die erweiterte Fassung von „A winter garden: Five songs for the season“ namens „A midwinter night´s dream“ vom Oktober 2008 zählen wir mal nicht dazu) dürfte doch eigentlich bestens darüber Auskunft geben können, sollte man meinen. Leider ist der Versuch ihre Musik zurück an den Start zu setzen, wie es die Kanadierin selbst im Booklet mit den Worten „Ab und zu verspürt man das Bedürfnis, mit dem Abstand der Zeit und der gewonnenen Erfahrung zu den eigenen Wurzeln und Anfängen zurückzukehren, um die vertrauten Dinge wiederzuentdecken, die man einst liebte und noch immer liebt“ mehrsprachig formuliert, nicht ganz geglückt. Der dezent schwungvolle Auftakt mit „As I roved out“ steht als simple, aber effektive Traditionaladaption zwar noch einigermaßen sicher auf zwei Beinen, doch schon „On a bright may morning“ wackelt, will den Geist der beseelt dargebrachten McKennitt-Balladen atmen, aber erreicht durch eine eindimensionale Vorstellung nicht dieselbe Eindringlichkeit wie sie noch auf „An ancient muse“ makellos zelebriert wurde.

Dafür entschädigt „Brian Boru´s march“ mit einem instrumental gehaltenen Streifzug über saftiges Grün und platziert den Hörer direkt in eine keltische Prozession, die, unterstützt von Mandoline, Flöten, verschiedensten Streichinstrumenten und Akkordeon, authentischer nicht sein könnte. Todtraurige Stimmung verbreitet McKennitt anschließend mit ihrer berührenden Interpretation von „Down by the Sally Gardens“, in der man förmlich die Qual und den Schmerz der Protagonisten von William Butler Yeats Gedicht spüren kann. Weniger herzzereißend gestaltet sich „The star of County Down“, das mit seiner klassischen Folk-Instrumentierung einem Herr der Ringe-Sequel entsprungen sein könnte, jedoch hinterlässt das Stück wie das ruhige „The death of Queen Jane“ und der minimalistische Rausschmeißer „The parting glass“ trotz unnachahmlicher Atmosphäre zu wenig bezaubernde Momente um nachhaltig zu beeindrucken. Das übernimmt dafür der Titeltrack mit einer über jeden Zweifel erhabenen Vorstellung Loreenas und das zweite Instrumental „The emigration tunes“ aus der Feder der Kanadierin, das mit schwelgerischen Melodien und gezupften Gitarrenklängen eine wunderbare Stimmung generiert.

Damit befindet sich Loreena McKennitt an einem Punkt, wo ihre Fans darüber entscheiden können, ob die „Back to the roots“-Mentalität beibehalten werden sollte oder ob in Zukunft vorwärtsgewandtes Denken die allumfassende Glückseligkeit evozieren darf, denn wo „An ancient muse“ ein Quell verschiedenster Einflüsse war und ein breites Spektrum bot, ist „The wind that shakes the barley“ in seinem Handlungsraum beschränkt und vorhersehbar geworden. Wohin die Wege der 53jährigen Kanadierin letztendlich führen, bleibt jedenfalls spannend.

Anspieltipps:

  • Brian Boru´s March
  • The Emigration Tunes
  • Down By The Sally Gardens
  • The Wind That Shakes The Barley

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
8/10

The Days Of Never Coming Back And Never Getting Nowhere
  • 2017    
6.5/10

Trouble No More: Bootleg Series Vol. 13 (1979-1981)
  • 2017    
Diskutiere über „Loreena McKennitt“
comments powered by Disqus