Charlie Haden & Quartet West - Sophisticated Ladies - Cover
Große Ansicht

Charlie Haden & Quartet West Sophisticated Ladies


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht selten liest man eine Kritik und kann zu der euphorischen Bewertung nur den Kopf schütteln. Das kann entweder daran liegen, dass es sich um eine handwerklich schlechte Rezension handelt oder aber weil der Hörer einen ganz anderen Bezug zu diesem Genre hat, als der Kritiker selbst. Damit ist nicht gemeint, dass der Kritiker dem zu behandelnden Genre völlig verfallen ist und blind mit Punkten um sich wirft (ansonsten hätte er in seinem Beruf versagt), sondern dass Geschmäcker verschieden sind. Gerade Jazz spricht heute viele Menschen einfach nicht an und keine noch so brillante Wertung wird zu einem Sinneswandel von hier auf jetzt führen. In aller Professionalität und voller Anstand bleibt vorweg nur eines zu sagen: Selbst Schuld!

Charlie Haden und sein Quartet West sorgen seit nunmehr 25 Jahren für erstklassige, klassizistische Jazzinterpretationen, die bis heute an ihrer Faszination und Klasse nichts verloren haben. Für „Sophisticated Ladies“, dem ersten Album seit elf langen Jahren, konzentrierte Haden sich auf den Jazz der vielen Hörern aus der Zeit des Film-Noir bekannt sein dürfte. Alte Filmklassiker werden zu zarten Balladen („If I'm Lucky“) und gefühlvollen Instrumentalstücken („Theme Of Markham“) vor dem geistigen Auge lebendig und sorgen für Glücksgefühle bei Jazzfans jeder Altersgruppe. Wirklich jedes Instrument bekommt den nötigen Raum und lässt den Hörer minutenlang in einer angenehmen Atmosphäre schwelgen. Keine verrückten Experimente sind es, die aus diesem Album etwas Besonderes machen, sondern der perfekte Spannungsbogen. Zu kaum einem Zeitpunkt denkt man sich, wann denn das nächste Lied endlich beginnt. Anstatt dessen genießt man die herrlichen Einlagen der Gastsängerinnen, die dem Titel alle Ehre machen. Sei es der Opener, „Let's Call It A Day“ oder eines der anderen Stücke mit Gesang. Hier möchte man lauschen und gibt sich der Stimmung bis zur letzten Sekunde hin.

Natürlich bedeutet Jazz auch Lebensfreude und so bekommt man neben melancholischem Genuss auch „Wahoo“ und „Today I Am A Man“, die sich an Soli ergötzen und das Tempo anziehen. Ein wenig reißen sie den Hörer aus der sanften Stimmung des Gesamtbildes des Albums, aber wenn man sich später einzelne Songs herauspickt, ist man über diese kleine Abwechslung nicht verärgert. Der Kaufgrund aber besteht aus den makellosen, melancholischen Liedern. Hervorgehoben gehören natürlich die fantastischen Gastsängerinnen. Ob Melody Gardot, Norah Jones, Ruth Cameron oder eine andere der charmanten Damen: Hier stimmt bis in den letzten Ton einfach alles. Haden macht einfach alles richtig und der einzige Wunsch, der verwehrt bleibt, ist, dass es keine Eigenkompositionen von Haden und seinem Quartett hört. Dafür gräbt der betagte Musiker die ein oder andere eher unbekannte Perle aus, die man nicht oft und erst recht nicht in dieser Qualität hört. Anhänger von Jazz- und Filmmusik: Vereinigt euch!

Anspieltipps:

  • If I'm Lucky
  • Angel Face

Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Charlie Haden & Quartet West“
comments powered by Disqus