JP, Chrissie & The Fairground Boys - Fidelity! - Cover
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JP, Chrissie & The Fairground Boys Fidelity!


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Zeit der großen Romantik steht uns bevor. Das Ergebnis aus Pretenders-Chefin Chrissie Hynde und Songwriter JP Jones ergibt mit ihren Fairground Boys ein lebensfrohes, überbordendes Rockerlebnis, das jeden noch so kurzen Moment mit Leben ausfüllen möchte. Wie sich die berühmte Songschreiberin und der walisische Junge vom Rummelplatz trafen ist nicht mehr hundertprozentig nachzuverfolgen. Ob es sein Mut, ihr Enthusiasmus für Rummelplätze oder einfach nur der Alkohol, der sich zusammengebracht hat, spielt letztlich keine Rolle mehr. Nach Zusammenarbeiten mit INXS, Tom Jones, Cher, U2 und vielen anderen großen Namen tut sich Hynde jetzt also mit diesem unbeschriebenen Blatt zusammen.

An einen „Fairground“ erinnert die Musik zwar nicht, sondern mehr an klassischen Rock, der auch noch mit Piano und Keyboards unterlegt wird. Irgendwo zwischen ausgedehntem Indie-Rock und konservativer Radiokost befindet sich dieses Klangerlebnis, das die Boxen voll und ganz ausfüllt, für Stimmung sorgt, ohne sich zu sehr auf die eigene Melodie zu verlassen. JP und Chrissie stehlen sich dabei nie die Show, sondern erzählen ihre Geschichten abwechselnd und gleichberechtigt. Der Gesang verfällt auch oft in einen erzählenden Klang, um gerade während des Chorus (wie in „Australia“) ganz traditionell zum Mitsingen zu animieren.

Die meisten der Lieder überwältigen den Hörer geradezu mit übervollem Klang, der selten wirkliche Anhaltspunkte zur Unterscheidung gibt. Man lässt sich gerne von den Tracks mitreißen, aber ein zweites Mal muss das Stück nicht sofort gehört werden. Es gibt jedoch oft einzelne Momente, wie angesprochener Refrain, die einem gerne im Ohr bleiben. Dazu gesellen sich ruhige Lieder („Misty Village“, „Leave Me If You Must“), die das manchmal ausufernde Bild ausgleichen. Richtig radiotauglich wird es auf der ruhigen Schiene dann auch noch mit „Meanwhile“, wenn die Instrumente sich gegenseitig genug Platz lassen, um sich entfalten zu können. Zwar ist das nicht umwerfend, doch mit seiner ungeschliffenen Note ergeben diese Stücke eine Stimmung, die heute nicht mehr selbstverständlich ist.

Aber was ist jetzt eigentlich aus dem Rummel geworden? Gerade die zweite Hälfte des Albums bringt viele ruhige und besonnene Momente mit sich. Der anschmiegsame Titeltrack mit klimperndem Klavier oder das beschwingte, aber keinesfalls durchgedrehte „Your Fairground“, in welchem Chrissie fast schon zum Stakkato-Gesang ansetzt und dabei voll überzeugt. Das Bonuslied gibt sich ebenfalls als Ballade mit Hymnencharakter. Spätestens jetzt lässt sich der verfolgte Stil aus Americana-Rock und Singer/Songwriter erkennen, den JP umzusetzen versucht. Letzten Endes ist Chrissie doch nur ein Werbepartner, der allerdings seine Glanzpunkte setzen darf. Ganz reicht es noch nicht für ein wirklich gutes Album, doch die zweite Hälfte überzeugt mit den Melodien, die sitzen. Traurig ist nur, dass dies bei den lauten Stücken noch nicht funktioniert, was das Hörvergnügen immens einschränkt.

Anspieltipps:

  • Australia
  • Your Fairground
  • Fidelity!

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