Element Of Crime - Fremde Federn - Cover
Große Ansicht

Element Of Crime Fremde Federn


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 74 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Mit fremden Feder schmücken“ ist nicht gerade das größte Lob, das man einem Menschen machen kann. Diebstahl wird dem Anderen gar vorgeworfen. Da verwundert es auf den ersten Blick, dass die deutschen Rocker der alten Schule Element Of Crime ihr Album „Fremde Federn“ nennen. Nun, ehrlich währt am längsten dachten sich Band und Label (man mag es kaum glauben) wohl und benannten ein Album lauter Coverversionen ehrlich. All diese Lieder sind in der bewegten und langen Historie der Gruppe entstanden, sind jedoch nie auf den Alben gelandet. Als B-Seiten bekannt und mehr oder weniger be- und geliebt unter Fans. Den Grandmonsieurs der deutschen Rockgeschichte (wir naiven Leute um die Zwanzig zucken unverständlich die Schultern) war in den letzten 20 Jahren kein Künstler zu groß oder zu klein, um gecovert zu werden. Von Arlo Guthries „Motorcycle Song“ bis hin zu Whams Weihnachtsevergreen „Last Christmas“ und „Across The Universe“ von den Beatles ist wirklich alles vertreten.

Kein einziges neues Lied ist also auf der Platte vorzufinden, dafür aber jede Menge Material, das es vorher nicht auf anderen Alben gab? Klingt einigermaßen fair. So ähnlich wie ein B-Best-Of! An dieser Stelle muss das Lob für das Label auch wieder eingeschränkt werden, aber sei es drum. Die Auswahl der inzwischen vier Herren ist gerade für Liebahber deutscher Musik erfreulich. Udo Lindenberg, Alexandra und Franz-Josef Degenhardt sind nur einige der deutschen, großen Namen, die auf dieser Platte Erwähnung finden. Die Hälfte der 20 Songs hat deutsche Vorbilder, die sich allesamt nicht vor der prominenten, englischsprachigen Konkurrenz verstecken müssen.

Der psychedelische Gitarrenrock der Band passt sich herrlich an Lieder wie „Das Lied Von Der Unzulänglichkeit Des Menschen“, „Akkordeon“ und „Zwei Gitarren“ an und auch die Country-Fraktion macht Wilco alle Ehre (z.B. „Heimweh“) Insgesamt ist das Album ruhig gehalten und es werden gerade in den deutschen Liedern Geschichten erzählt, die nur selten stark mit Effekten arbeiten, wie „Akkordeon“. Die kratzende Stimme des Sängers wird einigen bei „Leise Rieselt Der Schnee“ oder „Last Christmas“ nicht zusagen, dafür ist diese Stimme optimal bei „My Bonnie Is Over The Ocean“ (wie gesagt, die Band hat wirklich alles Mögliche gecovert). Es gibt viel warme Gitarrenklänge, die hier und da nicht mahnend, aber nachdenklich stimmen. Wie üblich bei Coverversionen wird man nicht selten vorbehalten an die Neuinterpretationen herangehen und ganz sicher sind viele Originale um Längen besser. Allerdings bringen Element Of Crime viele eigene Ideen ein und versuchen nicht einfach zu kopieren.

Alle Freunde des Klangkosmos der Deutschrocker finden ein hübsches Geschenk für sich selbst, dass spätestens in ein paar Wochen unter dem Baum liegen könnte. Auch neutral eingestellte Hörer, die nichts an rauen Stimmen auszusetzen haben und gute Gitarrenmusik mögen dürfen sich diese Sammlung antun, um ihren Horizont in Bezug auf deutsche Musik zu erweitern. Allein um „Hamburg 75“ entdecken lohnt sich der Kauf. Lange keine so guten Texte mehr gehört!

Anspieltipps:

  • Ruf Aus Der Gruft (instr.)
  • Akkordeon
  • Motorcycle Song
  • She Brings The Rain
  • Hamburg 75
  • Das Lied Von Der Unzulänglichkeit Des Menschen

Neue Kritiken im Genre „Pop“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Element Of Crime“
comments powered by Disqus