Gazpacho - Missa Atropos - Cover
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Gazpacho Missa Atropos


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!


Eine Vorliebe für Konzeptalben haben die Norweger entwickelt, es ist bereits das dritte Album in Folge, das sich einem zentralen Thema widmet.

Gazpacho ist nicht nur eine leckere Suppe, die man kalt serviert, es ist auch eine Band aus Norwegen, die sich selbst als solch einen pürierten Gemüsemix sieht. Interessanterweise gibt es auch einen Song von Marillion der genauso heißt und das ist gar nicht so zufällig wie man meinen könnte, denn die beiden Bands haben einiges gemeinsam. Nicht nur haben Gazpacho als Vorband von Marillion gespielt und einige Alben auf deren Plattenfirma veröffentlicht, auch musikalisch gibt es Parallelen. Der Gesang von Jan Henrik Ohme (aka „O“) ist sehr melancholisch und zerbrechlich, wenn auch nicht ganz so qualvoll intoniert wie von Steve Hogarth (aka „H“), aber lassen wir die Vergleiche, Gazpacho haben das nicht nötig.

Eine Vorliebe für Konzeptalben haben die Norweger entwickelt, es ist bereits das dritte Album in Folge, das sich einem zentralen Thema widmet. Das Unwort „Konzept“ ist also gefallen, aber falls jemandem der Schweiß ausbricht, ist das eine unnötige Sorge, denn der kennt entweder Gazpacho nicht oder denkt, dass Konzeptalben immer einem strengen Muster folgen, in dem alles unnötig kompliziert miteinander verwoben wird. Gazpachos Alben greifen zwar ein konkretes Thema auf mit dem sich die textliche Ebene auseinandersetzt, ihre Musik aber unterliegt keinen Restriktionen, sie fängt auf erstaunliche Art und Weise die Stimmungen und Emotionen ein, die der Thematik eine sagenhafte Tiefe verleihen, es glaubhaft und einzigartig erscheinen lassen, wie ein gutes Buch.

„Missa Atropos“ ist eine Messe für die Unabwendbare, eine der drei Schicksalsgöttinnen aus der griechischen Mythologie, die den Lebensfaden eines jeden Sterblichen durchtrennt. Entsprechend ist die Musik sehr melancholisch, meist ruhig und langsam trägt sie einen durch die Einsamkeit des Erzählers. Manchmal drängt sich das Piano in den Vordergrund, dann wieder eine Violine, aber es kommen auch genügend Spannung erzeugende Rockmomente hinzu. Die Musik funktioniert auch ohne die zugehörige Geschichte weil der Zuhörer in die Lage versetzt wird sich sein eigenes Kopfkino zu erschaffen, vorausgesetzt er nimmt sich die Zeit damit das Album genügend Wirkungskraft entfalten kann. Art-Rock möchte Schritt für Schritt erschlossen werden, dann offenbaren sich auch die Melodien dieser Musik. Ganz ehrlich, einige Lieder im Radio sind extrem eingängig, andere gefallen auch nur darum, weil sie oft genug am Tag gespielt werden. Wieso sich also nicht die Schönheit von „Missa Atropos“ erarbeiten?

Einzelne Songs hervorzuheben verbietet sich eigentlich bei solch einem Gesamtkunstwerk, aber „Vera“ und „Missa Atropos“ sind besonders schöne und reich arrangierte Kompositionen. Vielleicht fallen jemandem die von einer Frauenstimme gesprochenen Zahlen einer Telefonnummer auf, die haargenau so klingen wie bei einem Song einer anderen Band, mehr wird nicht verraten. Wer es ein wenig rockiger und lebendiger mag, der greife zuerst zum Vorgänger „Tick Tock“, der Vertonung von „Wind, Sand und Sterne“ von Antoine de St. Exupery. Wenn die Bereitschaft für noch mehr Melancholie, sanfte Klänge und eine fragile Schönheit vorhanden ist, dann ist man bei „Missa Atropos“ genau richtig.

Anspieltipps:

  • Vera
  • Missa Atropos
  • Snail
  • Defense Mechanism

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