Einstürzende Neubauten - Strategien Gegen Architektur IV: 2002-2010 - Cover
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Einstürzende Neubauten Strategien Gegen Architektur IV: 2002-2010


  • Label: Mute/Rough Trade
  • Laufzeit: 133 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Strategien Gegen Architektur IV: 2002-2010“ ist eine Doku auf zwei CDs, die Unveröffentlichtes, Live-Aufnahmen und bekannte Songs enthält.

Die Einstürzenden Neubauten sind in ihren 30 Jahren Bandgeschichte ohne Zweifel ein Beweis für unabdingbare Leidenschaft und Forschungsdrang in musikalischer Vielfalt. Wenn der eh schon schwammige Begriff „Indie“ in den letzten Jahren noch mehr in der Bedeutungslosigkeit versickerte, hielten sie immer daran fest, ohne es überhaupt zu proklamieren. Unkonventionell formten Blixa Bargeld, N.U. Unruh sowie FM Einheit aus Baustellen eine Bühne und aus Bohrmaschinen, Hämmern und Fässern Instrumente.

Zwischen schier unhörbaren Klangkonstruktionen in den Achtzigern, dem Erkunden von Laut/Leise-Dynamik in den Neunzigern und hochgelobten Theater-Projekten mit u. a. Peter Zadek schien im Neubauten-Kosmos kunstvoller Pop durch, von einer vereinnahmenden Lyrik ganz zu schweigen. Durch Gründung der Supporters-Community im Jahre 2002 konnten Fans an Alben-Entstehungen interaktiv teilhaben, finanzierten sie und garantierten Blixa Bargeld, Alexander Hacke, N.U. Unruh, Rudolf Moser und Jochen Arbeit vollkommene Unabhängigkeit. „Strategien Gegen Architektur IV: 2002-2010“ dokumentiert auf zwei CDs diese Phase mit Unveröffentlichtem, Live-Aufnahmen und Bekanntem.

Im Ganzen ist es eine sehr gelungene Werkschau der letzten Jahre und zeigt zum Teil arg leichtfüßige und eingängige Songs, die wie bei „Good morning everybody“ im süßlich-schauderlichen Blues münden, das stark gekürzte „Perpetuum Mobile“ tanzbar in bester Elektronik- und Percussions-Präzision präsentieren, bei „Youme & Meyou“ schwelgenden Wohlklang erzeugen, um in „Waiting for the call“ der vollendeten Destruktion zu huldigen – ganz klar mehr Improvisation als Song.

Auf diese Weise bleibt es spannend und anziehend, allein schon durch die mystische Stimme Blixa Bargelds bedingt. Zu „X“ durfte Judith Holofernes (Wir sind Helden) einige Sätze beisteuern, weil sie sich gerade im Nachbarstudio aufhielt, was allerdings nur eine Randnotiz darstellt. Zu sehr lebt der Song ohnehin von der Kraft des Wortes, zu heimelig verschroben erklimmt „Susej“ die typische Neubauten-Magie und setzt „Birth lunch death“ lodernde Energie frei. Über zwei Stunden in schwarz-weiß und endlosen Schattierungen.

Anspieltipps:

  • Perpetuum Mobile
  • Ein leichtes leises Säuseln
  • X
  • Good morning everybody
  • Susej
  • Birth lunch death
  • Weil Weil Weil

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