Murder - Gospel Of Man - Cover
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Murder Gospel Of Man


  • Label: DevilDuck/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Hinter dem dänischen Duo Murder steckt – wie der Name vermuten liesse – weder Heavy Metal noch Hardcore Punk und schon gar kein roher Industrial Sound. Im Gegenteil, die Dänen lieben es mit hauptsächlich akustischem Instrumentarium ihre Songs zu spielen. Zeugnis hiervon legte schon ihr zweites Album „Stockholm Syndrome“ ab, auf dem vorliegenden „Gospel Of Man“ wird sogar einem Schlagzeug in die Klangwelt von Murder Einzug gewährt. Ein Teil des Duos ist Sänger Jacob Bellens, der Keyboards und die akustische Gitarre bedient. An seiner Seite Anders Mathiasen, der ebenfalls singt und diverse Gitarren spielt. Beide komponierten alle elf Songs, der Gastmusiker und für die Arrangements zuständige Jonas Westergaard hat an drei Songs mitgeschrieben. Weitere musikalische Helfer setzten mit Posaune, Flöte, Streichern sowie den Harmoniestimmen von Marie Fisker und Elena Setien wunderbare Akzente.

Murders Vorgängeralbum „Stockholm Syndrome“ von 2008 war schon ein mehr als beachtenswertes Werk, das die Erwartungen auf das kommende Album hochschraubte. Und vorne weg: Sie wurden sogar übertroffen. Dabei ist „Gospel Of Man“ eines der Alben, die einen nicht umgehend in den Bann ziehen, vielmehr schleicht es auf ganz leisen Sohlen ins Bewusstsein, wo es nach einigen Durchläufen einen festen Platz einnehmen wird. Was machen sie nun anders oder besser als auf dem von Kritikern gelobten „Stockholm Syndrome“? Abgesehen von den hin und wieder dezent eingesetzten Perkussionsinstrumenten, fallen zunächst die herrlich gesetzten Gesangsharmonien auf, die unaufdringlich ihre Schönheit entfalten dürfen. Neu ist auch das Streichquartett, das den vokalen Glanzpunkten melancholisch-dunkle Kontraste beibringt. Dazu perlt immer wieder das akustische Gitarrenspiel oder das Piano wie z.B. auf der Ballade „Picker Of Cotton“.

„Gospel Of Man“ lässt sich nur schwer mit der Musik anderer Interpreten vergleichen, es ist anspruchsvolle Singer/Songwriter-Musik, die ihre Wurzeln in den 1970ern hat, die auch bei Bands wie Maplewood oder Hobotalk auszumachen sind. In deren Zwielicht blühen die Songs von Murder als Nachtschattengewächse, schwingt der mehrstimmige Gesang als Gospel des Menschen und berührt bis tief in die Seele hinein. Eine gewichtige Rolle spielt das Streichquartett, dessen Klanggemälde wie ein Wind- oder Nebelhauch das Geschehen bereichern. Mit Sorgfalt und Sinnlichkeit wiegen diese Streicher als hätte Nick Drakes Arrangeur Robert Kirby seine Finger im Spiel gehabt oder The Miserable Rich hätten gemeinsam mit Murder dieses Wunderwerk erschaffen. Jonas Westergaard hat hier mit seinen Arrangements ganze Arbeit geleistet. Die herzerwärmende Produktion von Petter Samuelsson tut ein Übriges

Einzelne Songs aus „Gospel Of Man“ herauszuheben scheint vermessen und doch sieht man bei „Milk & Honey“ immer wieder die Sonne aufgehen. Ansonsten öffnen sich nach und nach die Melodien wie verwunschene Blüten und lassen das Album von Mal zu Mal wachsen. Sie wachsen in einen Himmel voller Zärtlich- und Sinnlichkeit, die in diesen elf Liedern weilt. Poesie, sanfte Melancholie und liebevolle Leichtigkeit: Der Traum eines entrückten Rezensenten!

Anspieltipps:

  • Milk & Honey
  • Aqueduct
  • Ember Song
  • No Room For Mistakes
  • Help The Dead

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