Paper Aeroplanes - The Day We Ran Into The Sea - Cover
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Paper Aeroplanes The Day We Ran Into The Sea


  • Label: 7 Star Music/Sony Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wales ist ein wahrlich unbefleckter Fleck auf der Landkarte der Musik. Nur wenige ganz große Namen fanden ihren Weg aus dem Land mit den verrückten Ortsnamen. Bei Wales denkt man gerne an Lady Di, aber kaum an klimpernde Barden und fetzige Rockbands. Zur großen Imagepolitur machen sich zwei junge Talente an, richtig guten Pop made in Wales zu fabrizieren. Da wäre zum einen Sarah Howells, die schon von klein auf Songs schrieb, eine Band mit ihrer besten Freundin gründete und Freude an der Musik hatte. Dann wäre da noch Richard Llewellyn, der bei verschiedenen Bands als Bassist aktiv war und so Erfahrungen in ganz Europa und auch den USA sammelte. Zusammentreffen taten die beiden Nachwuchsmusiker aufgrund derselben Heimat und weil Sarahs Band aufgrund des Todes ihrer Freundin zerbrach. Trotz oder gerade weil ihre Freundin Nia den Kampf gegen die Leukämie verlor, entschloss sich Sarah weiter Musik zu machen und eines fürhte zum Anderen.

Wer jetzt jedoch glaubt, dass Paper Aeroplanes Vergangenheitsbewältigung der melodramatischen Sorte wiedergeben, der irrt sich. Zwar geht es dem Duo, das inzwischen in Cardiff zu Hause ist, oft um die See, die Stadt, die Liebe und den Verlust, doch nie gibt es handfeste Parallelen zu besagtem Verlust, den Sarah Howell durchmachen musste. Die Musik selbst ist dabei sanft, oft akustisch gehalten und nicht selten an der Grenze zum Kitsch. Die gesamten drei ersten Stücke haben keine andere Bezeichnung als Pop-Ballade verdient. Zwar ist keines dieser Lieder schlecht, doch die Abwechslung wird schnell vermisst. Zum Glück zeigen sie mit Stücken wie „Pick Me“, dass es auch anders geht. Hier wird ohne viel Krach ein intensiver Rocksong erzeugt. Sarahs Stimme füllt den Raum unweigerlich mit ihrer kräftigen Stimme und eine düstere, aber zurückhaltende Gitarre, sowie kräftige Drums sorgen für den Rest. Fertig ist ein richtig guter Indie-Rocker.

Die Hauptattraktion der Paper Aeroplanes ist ganz klar die Sängerin, die es mit ihrer Stimme schafft in einem Moment grazil und erwachsen, im nächsten zerbrechlich oder hoffnungsvoll und jung zu klingen. Dazu die bereits erwähnte Fähigkeit richtig Schmackes in die Stimme zu bringen, machen aus der Waliserin eine echte Tonperle. Instrumental wird zumeist zuckersüßer Akustik-Pop geboten, der hier und da mit einer E-Gitarre und Stimmenvervielfältigung die Stimmung abzurunden versucht. Meistens schaffen es jedoch nur die langsamen Stücke einen echten Charme zu entwickeln. Die Stimme Howells ist zwar durchgehend zum Niederknien, aber gerade die schnellen Arrangements der Band klingen zu einheitlich. So gewinnt man dem melancholischen „Newport Beach“ seine ganze Schönheit ab, wogegen das handwerklich unantastbare „My First Love“ nur noch an einem vorbeiplätschert.

Alle Freunde von süßer Popmusik mit guter Sängerin werden sich an Paper Aeroplanes nicht satthören können. Wen das immer gleiche Sommerkleid der poppigen Songs nicht stört, der kann sogar auf einen echten Volltreffer hoffen. Ansonsten gibt es ein halbes Dutzend richtig guter Balladen. Da benötigt der Rezensent auch kein Wörtchen wie „wenn“ oder „aber“, denn die Stücke der Sparte Singer/Songwriter sind allesamt gelungen. Es bleibt abzuwarten, wie groß der Erfolg der Waliser wird, aber allein dem schönen Land, sowie den noch schöneren Balladen à la „Dry My Eyes“ wäre Anerkennung zu wünschen.

Anspieltipps:

  • Dry My Eyes
  • Freewheel
  • Pick Me

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