The Rolling Stones - Ladies & Gentleman - Cover
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The Rolling Stones Ladies & Gentleman


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 110 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Kernstück des Bild- und Tonmaterials ist das 80-minütige Konzert, das einen Einblick in die schwierige, aber enorm kreative Phase der Stones Anfang der 70er Jahre gibt.

Selbst ohne die Ankündigung eines neuen Studioalbums schaffen es The Rolling Stones im Gespräch zu bleiben. Klar, bei einer bald 50jährigen Schaffensperiode sind die Archive gut gefüllt und warten nur darauf nach und nach der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden, die daraufhin jeden kleinen Happen an bislang unveröffentlichtem Material wie ein Schwamm aufsaugt. Bedenklich wird es erst, wenn die Quantität über die Qualität siegt und sündhaft teure Special Editions wie die der „Exile on main street“-Wiederveröffentlichung vom Mai diesen Jahres (die Super Limited Deluxe Edition schlägt mit 2,500 Euro zu Buche) die Gigantomanie auf ein neues Hoch treibt. Im Vergleich dazu ist der Preis für die Deluxe Edition des endlich erhältlichen Konzertfilm „Ladies & Gentleman“ mit 65 Euro geradezu ein Schnäppchen. Der 1972 an vier Nächten der „Exile on main street“-US Tour auf Celluloid gebannte Streifen ist dennoch weit davon entfernt ein billiges Accessoire im Rolling Stones-Portfolio zu sein.

Kernstück des „auf Grundlage der originalen Filmspulen und des Mehrspur-Audiomasters vollständig restaurierten und remasterten“ Bild- und Tonmaterials ist natürlich das 80-minütige Konzert von Mick Jagger (Gesang), Keith Richards (Gitarre), Mick Taylor (Gitarre), Bill Wyman (Bass), Bobby Keys (Saxophon), Jim Price (Bläser), Nicky Hopkins (Piano) und Charlie Watts (Schlagzeug), das einen fulminanten Einblick in die schwierige, aber enorm kreative Phase der Stones Anfang der 70er Jahre gibt. Jagger & Co. spielen keinen krachigen, vornehmlich laut aufjaulenden Rock, sondern frönen hauptsächlich melancholischem Blues („Love in vain“), Country („Sweet Virginia“) oder Midtemponummern wie „Dead flowers“, „Tumbling dice“ oder „You can´t always get what you want“, allerdings ohne darauf zu vergessen durch bekanntere Hits wie „Brown sugar“, „Gimme shelter“, „Midnight rambler“, „Jumpin´ Jack Flash“, „Street fighting man“ und ausreichenden Soloexkursen das Geschehen aufzupeppen. Leerläufe sind inmitten der explosiv dargebotenen Setliste absolut keine auszumachen, da es sich hierbei jedoch um einen Zusammenschnitt aus vier unterschiedlichen Auftritten handelt, ist die Bezeichnung „dauerhafter Spannungsbogen“ wohl die passendere.

Erste Abstriche müssen erst bei der technischen Präsentation gemacht werden, denn obwohl das Bild für eine fast 40 Jahre alte Aufnahme, die unter erschwerten Lichtbedingungen (früher konzentrierte man sich meist auf die Performance und nicht auf eine atemberaubende Lichtshow) entstanden ist, merklich verbessert wurde, kann dem Ton nur bedingt der allumfassende Remaster-Stempel aufgedrückt werden. Schuld daran sind die beiden Abmischungen DTS Digital Surround und Dolby Digital 5.1, die klingen als würden sie pausenlos durch einen Trichter gezogen werden, was permanente Unterschiede in der Lautstärke zur Folge hat. Umso ärgerlicher, weil das Dolby Digital Stereo-Format mit diesem Problem nicht zu kämpfen hat, aber aufgrund seiner frontlastigen Natur nicht die gleiche räumliche Darstellungskraft wie die beiden anderen Abmischungen besitzt.

Die Extras hingegen sind eine nette Draufgabe, wirklich essentiell für die Auseinandersetzung mit den früheren Rolling Stones sind allerdings nur die Tourproben („Shake your hips“, „Tumbling dice“, „Bluesberry Jam“). Das sogenannte „Old grey whistle test interview“ zeigt einen jugendlichen Mick Jagger, der noch am Anfang seiner langen Karriere als Musiker steht und das anschließende Interview mit ihm aus 2010 ist wiederum das genaue Gegenteil: Der 67jährige beantwortet mit viel Umsicht größtenteils langweilige Fragen zur DVD-Veröffentlichung und der damaligen Zeit, hier gibt es aber nichts, was einem als längjähriger Stones-Fan überraschen könnte. In der Standardausgabe alles in allem ein makelloses Konzert in guter Bild- und verbesserungswürdiger Tonqualität, abgerundet mit mäßig interessanten Extras. Bleibt nur noch zu sagen: „Ladies and gentleman! On behalf of The Rolling Stones, we wish you a fun and good evening!”

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