Bryan Adams - Bare Bones - Cover
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Bryan Adams Bare Bones


  • Label: A&M/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 74 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Bare Bones“ ist kein gelungenes Geschenk für unter dem Christbaum.

Im Rahmen der Veröffentlichung von Adams zehnten Studioalbum „11“ (03/2008, der Soundtrackbeitrag „Spirit: Der wilde Mustang“ (06/2002) nicht mitgerechnet) konnte folgendes vom Altmeister des Kuschelrock vernommen werden: „This album started out as an acoustic record, but I think somewhere about a year and a half into it, into writing the songs and producing the songs and trying to sequence it, I went on tour in America and thought to myself: „You know what? I don’t really wanna do an acoustic album. I want a rock album. And I want a rock album that has the edge of the acoustic and the subtlety of the acoustic, but still has a lot of power behind it. And so I went back to the studio and re-recorded a lot of the songs again.” Dass gerade jetzt mit „Bare bones“ trotzdem eine ähnliche Platte erscheint, liegt nicht unbedingt daran, dass Mr. Adams urplötzlich seine verworfene Idee wieder gut findet, sondern weil bald das Weihnachtsgeschäft vor der Tür steht und die mäßigen Absätze seiner letzten Werke mit einer weiteren Best Of-Koppelung etwas verbessert werden sollen.

Das Beste daran: Die kanadische Schmusebacke musste dafür nicht einmal ins Studio gehen, sondern lediglich seine aktuelle, gleichnamige Tour mitschneiden, auf der Adams im akustischen Kleid, lediglich mit Gitarre und sporadischer Klavierunterstützung bewaffnet, seine größten Hits und aktuellen Songs zum Besten gibt und eine geeignete Auswahl treffen. Wer nach dieser Beschreibung auf den Nachfolger zum tollen MTV Unplugged-Auftritt (12/1997) tippt, liegt teilweise richtig, denn „Bare bones“ hat nur von der Ausgangslage her etwas mit dem ungestöpselten Gig im New Yorker Hammerstein Ballroom zu tun, denn in punkto Atmosphäre können die 20 Tracks ihrem Vorgänger nicht das Wasser reichen. Das liegt in erster Linie am Medium bzw. dem allzu euphorischen, dominant abgemischten Publikum. Auf CD ist es eben etwas langweilig Menschen fast pausenlos grölen und jubeln zu hören (wahrscheinlich weil Adams gerade eine verführerische Geste für seine weiblichen Fans gemacht hat), wenn musikalisch rein gar nichts dergleichen zu vernehmen ist.

Wäre das noch einigermaßen verschmerzbar, so stört bereits nach ein paar Songs der feminine Hühnerstall, der jedes Japsen oder pathetisch aufgeladene Schmachten des 50jährigen mit einer zahnfüllungziehenden Kreischorgie untermauert. Darüber hinaus sind die meisten Songs in ihrem Grundrhythmus beibehalten worden, sodass „I´m ready“ eine schnelle und „(Everything I do) I do it for you“ eben eine langsame Nummer darstellt. Etwas mehr Mut hätte sich Adams hier ruhig zutrauen können. Überraschungen bleiben in diesem Sinne jedenfalls komplett auf der Strecke. „Cuts like a knife“ wird mit seinem „Na na na“-Part unweigerlich zu einem Partytrack umfunktioniert, „It ain´t a party (if you can´t come round)” ist eine der vielen Klatschen-bis-zum-Umfallen-Stücke auf der Setliste und die Balladen werden von Adams sinnlich-rauer Stimme zwar gekonnt dargebracht, Gänsehaut kommt aufgrund der viel zu häufigen Jubelrufe jedoch nie auf.

Fazit: „Bare Bones“ ist kein gelungenes Geschenk für unter dem Christbaum, sondern ein von Adams zusammengestellter Gabentisch, der ihn 20 Mal in Form von kreischenden Fans huldigt und lobpreist, sodass die Musik dahinter zu einer Geduldsprobe verkommt.

Anspieltipps:

  • Walk On By
  • It´s Only Love
  • Please Forgive Me
  • (Everything I Do) I Do It For You

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