Steve Wynn - Northern Aggression - Cover
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Steve Wynn Northern Aggression


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock kann verschiedene Auswirkungen auf den Hörer haben. Schneller Punkrock und Stadionrock bringen die Massen zum Beben, Metal und Hardrock sorgen für gefüllte Mosh-Pits und dann gibt es noch unzählige Unterarten dieses Genres, die sich in der Extravaganz ihrer Bezeichnungen überbieten. Nicht wenige davon funktionieren wie Steve Wynns neuester Auszug aus seinem musikalischen Leben „Northern Aggression“. Es ist laut, unangenehm, aufreibend und stets schwankt man zwischen ruhigem Kopfnicken oder wütendem Körperzucken, um die Stimmung dieser Stücke einzusaugen. Der „Yankee“, Steve Wynn, begibt sich mit seinen Miracle 3 auf die Spuren seiner Südstaaten-Kollegen, die gerade erst wieder durch das entspannte „Come Around Sundown“ der Kings Of Leon zeigte, wie gut sie bei der Masse ankommen. Aber dieses Album heißt nicht umsonst, wie es heißt.

Wenn man nicht vorher wüsste, dass hier einem gemütlichen Stil gehuldigt werden soll, dann wäre man schon nach der Eröffnung „Resolution“ auf verlorenem Posten. Hier reißen die Gitarren die Gehörwände geradezu ein und schaffen sich mit kratzender Note schnell einen Weg in den Kopf des Hörers, sei es zum Guten oder Schlechten. Zumindest weiß man schnell, woran man ist. Auch wenn die Folgesongs Western-Anleihen bieten („No One Ever Drowns“) oder sich mit Blues-Federn schmücken („We Don't Talk About It“, „Colored Lights“), dringt immer wieder der unsaubere Sound der neuen New-Yorker-Szene. Die gewollte Verneinung des perfekt abgemischten Klangs und dafür das Gefühl von Authentizität werden hier mit südlichen Einflüssen gemischt.

In den ruhigen Momenten des Albums darf der Blues dann auch wirklich alleine und ganz ohne Garagen-Feeling ran („Consider The Source“, „The Death Of Jonny B“) und „St. Millwood“ ist sogar eine echte Country-Ballade. Überhaupt darf sich der Country während der zweiten Hälfte des Albums versuchen. „The Other Side“, „Cloud Splitter“ und „Ribbons And Chains“ bekennen schnell und deutlich Farbe, wobei besonders erstgenanntes Lied noch auf den Schrammel-Rock Wynns zurückgreift. Dagegen sind die anderen beiden Tracks jedoch wirklich entspannt, ohne ihren Rock-Geist zu verlieren. Wer mit einer Band wie Wilco oder Country-Crossovern im Allgemeinen nichts anfangen kann, wird mit diesem Album nicht glücklich werden. Nur um die Fronten zu klären.

Anspruchsvoller Rock, eine gute Portion Country und Blues, sowie jede Menge raue Gitarren werden geboten. Dazu ein Gesang, der weniger Southern wirkt, als das letzte dEUS-Album „Vantage Point“. Alle Fans von guter Gitarrenarbeit, die ruhig etwas grober sein darf, sollten einen Blick riskieren und in den ein oder anderen Track rein hören. Wer zu „On The Mend“ nicht einmal im Geiste die Luftgitarre auspackt, der ist mit diesem echt amerikanischen Album schlecht beraten. Alle anderen finden noch viel mehr von diesen wirbelnden Riffs und dazu einige aggressive Ausflüge in die Welt des Southern Rocks. Gitarre umschnallen und los reiten, Amigo.

Anspieltipps:

  • On The Mend
  • We Don't Talk About It
  • Ribbons And Chains

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