Weezer - Death To False Metal - Cover
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Weezer Death To False Metal


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Stumpfe Texte gibt es auch bei anderen Bands häufig, doch oft gehen sie unter. Hier kann man sie leider nicht ignorieren.

Man kommt ja kaum zum Luft holen. Keine zwei Monate sind seit der Veröffentlichung des letzten Albums „Hurley“ vergangen, da liegt nun mit „Death To False Metal“ schon der nächste Weezer-Output auf dem Tisch. Das ist dann der vierte Longplayer in drei Jahren! Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass quasi zeitgleich noch der Meilenstein „Pinkerton“ aus dem Jahre 1996 gerade in einer schmucken Deluxe-Version wiederveröffentlicht wird. „Death To False Metal“ ist eine Sammlung von raren und bisher unveröffentlichten Weezer-Songs der letzten Jahre. Interessanterweise erscheint das Album noch auf dem alten Label. Da scheinen noch alte Verpflichtungen im Raum gestanden zu haben. Nun gut. Raritätensammlungen können es in sich haben. Man denke nur an das grandiose „Lost Dogs“ von Pearl Jam oder „B-Sides & Rarities“ der erklärten Weezer-Fans Deftones. Doch Raritätensammlungen müssen es nicht in sich haben. Dies zeigt sich leider doch recht deutlich an „Death To False Metal“. Wenn man daran denkt, dass schon seit dem grünen Weezer-Album aus dem Jahr 2001 jede CD mit einigen Lückenfüller aufwartete, konnte man auch nicht ernsthaft erwarten, dass sich noch große Knaller in der Hinterhand verbergen.

Zwar zeigen sich Weezer hier sicher nicht von ihrer schlechtesten Seite, aber eben auch lange nicht von ihrer besten. Simple Songs wie Weezer sie zumeist abliefern, können unglaublich große Wirkung hervorrufen. Hier lernt man aber eher, dass sie auch einfach nur okay sein können. Wenn in solchen Lieder dann noch allzu platte Phrasen à la „let the music plaaaay, let the good times roooooholl, we don't care what you saaaay, we're turnin up the radio” in „Turning Up The Radio” oder „I’m blowing my stack, blowing my stack, it makes me feel good“ in „Blowin’ My Stack” unüberhörbar deutlich in die Gehörgänge fräsen, dann wird es kritisch. Stumpfe Texte gibt es auch bei anderen Bands häufig, doch oft gehen sie unter. Hier kann man sie leider nicht ignorieren. In „Everyone“ versucht die vierköpfige Band einen auf dicke Hose zu machen und liefert einen breitbeinigen Rocker ab. Das ist handwerklich durchaus gekonnt, doch leider kauft man es ihnen nicht wirklich ab. „I’m A Robot“ ist nicht mehr lustig, sondern schon albern und „The Odd Couple“ nervt geradezu. Zum Abschluss gibt es ähnlich wie bei den Bonustracks zum erwähnten Vorgänger „Hurley“ eine Coverversion. War es bei „Hurley“ noch eine ziemlich uninspirierte Version con Coldplays „Viva La Vida“ wird hier eine ebenso wenig engagierte Version von Tony Braxtons „Unbreak My Heart“ abgeliefert. Die Titelwahl selbst ist dabei gar nicht das Problem. Johnny Cash hat in seiner Spätphase ja gezeigt, dass aus alles andere als nahe liegenden Stücken großartige eigene Interpretationen entstehen können. Doch einfach nur mit verzerrten Gitarren nachspielen ist im Falle von „Unbreak My Heart“ dann doch zu wenig.

Bei aller Kritik, es gibt ihn noch, den beinahe magischen Weezer-Moment. Er findet sich mit „Losing My Mind“ in der Albummitte und ist das Highlight der Platte. Wieder mal ein eher schlichter Text, der aber in einer unwiderstehlichen kleinen Melodie eingebettet ist, die einen schnell gefangen nimmt. Nett auch, wie die bekennenden Metal-Fans um Rivers Cuomo hier im Hintergrund eine Gitarre einschmuggeln, die einen Metalgruß aus den tiefsten 80ern zum Besten gibt.

Fassen wir zusammen: Nach Jahren eher mittelmäßiger Veröffentlichungen deutete sich mit dem Vorgänger „Hurley“ ein kleiner Hoffnungsschimmer an. Dieser Hoffnungsschimmer wird nun erst einmal wieder ein Stück weit gedämpft. Ein Fan namens James Burns war jedoch offensichtlich auch mit „Hurley“ schon nicht zufrieden. So rief er im Internet dazu auf, 10 Millionen Dollar zu sammeln, die Weezer als Abfindung zur Auflösung bringen sollten. Drummer Patrick Wilson lehnte via Twitter dankend ab, wies aber augenzwinkernd darauf hin, dass man bei 20 Millionen Dollar eine Deluxe-Auflösung in Betracht ziehen würde. Ganz so schlimm steht es um Weezers musikalisches Schaffen beileibe nicht, doch nicht ausgeschlossen, dass Mr. Burns nach „Death To False Metal“ neuen Ehrgeiz entwickelt und die 20 Millionen anvisiert.

Anspieltipps:

  • Losing My Mind
  • Trampoline
  • I Don’t Want Your Loving

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