Al Bano Carrisi - The Great Italian Songbook - Cover
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Al Bano Carrisi The Great Italian Songbook


  • Label: Koch Records/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Rod Stewart macht seit 2002 eigentlich nichts anderes mehr, als Klassiker der Musikgeschichte nachzusingen. Das ist zwar so spannend wie der Verlauf in der ersten schottischen Fußballliga, in der immer ein Verein aus Glasgow den Titel holt, doch das Publikum hat daran scheinbar einen Narren gefressen und kauft diese Platten wie geschnitten Brot. Das erwartete vorher niemand, noch nicht einmal die Plattenfirma. Seitdem hat der gute Rod einen Freibrief und haut ein „Songbook“ nach dem anderen raus, zuletzt im Oktober dieses Jahres. Da kann man durchaus neidisch werden – oder einfach dieselbe Idee für sich umsetzen.

Der italienische Schlagersänger und Komponist Albano Carrisi (67) zählt seit 45 Jahren zu den ganz großen seiner Zunft. Ob solo oder als Duo zusammen mit seiner damaligen Frau Romina Power schrieb er zahllose Hits wie „Felicità“ oder „Prima notte“, die sich in ganz Europa millionenfach verkauften und sogar wie im Fall von „I cigni di balaka“ von Michael Jackson plagiiert wurden. Wer, wenn nicht ein italienischer Volksheld wie Al Bano, dürfte also ein Songbook großer italienischer Lieder einsingen und damit Kollegen wie Eros Ramazotti, Zucchero, Paolo Conte, Adriano Celentano, Toto Cutugno und Umberto Tozzi Tribut zollen?

Die Produktion und die Arrangements von „The Great Italian Songbook“ gehen auf das Konto von Dieter Falk (51), dem in Sachen deutscher Schlager nach Zusammenarbeiten u.a. mit Gitte Hænning, Katja Ebstein, Karel Gott, Nana Mouskouri, Guildo Horn und Patricia Kaas so schnell keiner ein X für ein U vormacht. Damit ist die Richtung für das vorliegende Album aber auch eindeutig vorbestimmt: Federleichter Italo-Pop trifft auf seichte Schlager-Arrangements und „Melodien für Millionen“. Von recht aktuell (Laura Pausinis 2008er Hit „Primavera in anticipo“) bis hin zum Kultklassiker „Azzuro“ (1968 von Paolo Conto komponiert und von Adriano Celentano gesungen) ist so ziemlich alles dabei.

Die Sammlung kommt auf ein Dutzend einschlägig bekannte Lieder, von denen die einen mehr („L’italiano“), die anderen weniger („Nel sole“) zum italienischen Volksgut zählen und europaweit generationsübergreifend mitgesungen werden können, wenn man sich denn getraut, einen Titel wie „Mamma“, der in der deutschen Version von Heintje Simons gesungen wurde, lauthals mitzuschmettern, während im Hintergrund das Filmorchester Babelsberg für ordentlich Schmalz sorgt. Und daran erkennt man auch: „The Great Italian Songbook“ ist eine grenzwertige Angelegenheit. Denn auf der einen Seite freut man sich über viele bekannte Melodien und das italienische Flair, auf der anderen Seite ist die Vorstellung von Al Bano relativ zahnlos und verweichlicht. Für die Zielgruppe sicher okay und nichts, worüber man sich aufregen müsste, doch mit etwas mehr Anspruch an die musikalische Umsetzung wäre ein spannenderes Produkt aus Al Banos Herzensangelegenheit herausgekommen.

Anspieltipps:

  • Ti amo
  • Tornerò
  • L’italiano
  • Gente di mare
  • Primavera in anticipo

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