Yogi Lang - No Decoder - Cover
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Yogi Lang No Decoder


  • Label: Gentle Art Of Music
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Überraschung war groß genug, als RPWL sich wieder ins Rampenlicht trauten. Noch größer war die Überraschung, dass das Album nicht nur solide, sondern richtig gut war. Natürlich musste man sich erst wieder an die etwas in die Jahre gekommenen Riffs und nicht ganz zeitgemäßen Synths gewöhnen, aber das Klangerlebnis wies letzten Endes viel mehr Plus- als Minuspunkte auf. Die wiedergefundene Spielfreude hat – so scheint es – besonders Sänger Yogi Lang motiviert. Schon jetzt legt er mit einem Werk nach, das seine RPWL-Herkunft nicht verleugnet, jedoch in Soundlandschaften vordringt, die für die Band wohl zu progressiv gewesen wären und sich mehr an Pink Floyd orientieren.

Der gemächliche Instrumental-Opener „Can't Reach You“ will gleich deutlich machen, dass hier die Kunst und nicht nickende Köpfe im Vordergrund stehen soll. Esoterisch, ätherisch und überhaupt ziemlich abgehoben vereint Lang gute, alte Rockriffs mit verzerrten Stimmen, vielen Synthesizern und einer durchweg langen Laufzeit pro Song. Wer sich vor allzu progressiver Ware fürchtet, der muss sich zwar nicht warm anziehen, aber Geduld mitbringen. Schon „Sacrifice“ kratzt an der magischen 10-Minuten-Marke und – man höre und staune – langweilt dabei zu keinem Zeitpunkt. Reingehört, meine Damen und Herren: Toppt der Sänger seine Stammband?

Vielleicht war das auch nur ein Ausrutscher nach oben oder Yogi hat Angst, dass die Leute vergessen, wer er zusammen mit seiner Band ist. Anders lässt sich das super konventionelle „Our World Has Changed“ nicht erklären. Das Keyboard ruft Erinnerungen an alte und auch neue RPWL-Stücke wach. Die zweite Hälfte überzeugt durch famose Gitarren und RPWL-Jünger können ihr Glück sowieso kaum fassen, aber da wir es hier mit einem Soloalbum zu tun haben, konzentrieren wir uns lieber auf „Sail Away“, „No Decoder“, „Allison“ oder „A Million Miles Away“, die alle ausnahmslos die gleichen wabernden Synthesizer ihr Eigentum nennen. Ob das dem Musiker selbst nicht aufgefallen ist, dass man von „Allison“ mitten im Lied zu „A Million Miles Away“ springen kann und meint man wäre noch im selben Stück, ist eine Frage, die durchaus Kopfzerbrechen bereitet.

Dieses voran preschende Etwas, das „Sacrifice“ mit sich bringt, findet sich in keinem weiteren Lied wieder. Anstatt dessen gibt es noch viele ruhige Stücke, die „Our World Has Changed“ im Aufbau ziemlich ähneln. Immer wieder mitreißende und gekonnte Gitarrenspiele, die das sonst sehr zweidimensionale Bild erweitern sollen. Aber was heißt schon zweidimensional? Die Lieder sind nicht platt im Allgemeinen, sondern mehr in Bezug auf sich selbst. Zu wenige Unterschiede lassen sich ausmachen und so hätte es eine EP ebenfalls getan. Daran ändert auch ein wütendes „Sensvalue“ nichts. Mars Volta bleibt weiterhin auf dem Thron der Prog-Rock-Bands und im Art-Rock-Bereich sind Dredg sowieso unantastbar. Wem das aber alles zu modern oder auch zu verworren oder glatt ist und sich nach einer Prise Porcupine Tree (oder eher Steve Wilson) sehnt, der ist mit Yogi Langs Debüt gut beraten.

Anspieltipps:

  • No Decoder
  • Our World Has Changed
  • Sacrifice

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