Therapy? - We´re Here To The End - Cover
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Therapy? We´re Here To The End


  • Label: Blast Records/H'ART
  • Laufzeit: 134 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Songtitel „Church Of Noise“ darf hier getrost programmatisch verstanden werden.

Mal ehrlich, was gibt es ärgerlicheres, als ein im Studio nachbearbeitetes Live-Album? Was ist nervenzerfetzender als Gitarrensoli, die definitiv so niemals gespielt wurden? Was ist schlimmer als ein Sänger, der so „perfekt“ intoniert, dass man das Gefühl nicht los wird, dass das einzige, was wirklich „live“ ist, das ohrenbetäubende Kreischen der Mädchen im Saal ist? Was ist frustrierender, als sich von der Plattenindustrie und am Ende sogar von der eigenen Lieblingsband – Entschuldigung! – verarschen zu lassen?

All diese Vorwürfe müssen sich Therapy? bei ihrem neuen Live-Album „We're Here To The End“ nicht gefallen lassen. Zur Feier ihres 20-jährigen Jubiläums spielte die britische Indie-Rockband drei Konzerte in London. Und beim Hören des nun vorliegenden Live-Dokuments kommt man nicht umhin, schockiert festzustellen: ja, auf diesen beiden CDs ist tatsächlich jeder Ton live. Es muss einfach so sein, denn es gibt keine andere Möglichkeit, wie dieser undifferenzierte Sound-Matsch sonst zusammen gekommen sein könnte. Das soll wohl brachial klingen, ergibt aber in den meisten Fällen einen einzigen Brei aus Schlagzeug, Gitarre und Bass. Der Songtitel „Church Of Noise“ darf hier getrost programmatisch verstanden werden.

Das alleine wäre ärgerlich genug. Doch das, was Sänger Andy Cairns hier abliefert ist, zum Teil schlicht und ergreifend unterirdisch. Gerade die ersten Titel klingen wie in einer Karaoke-Bar von einem – durchschnittlichen – Amateur aufgenommen. Das geht leider gar nicht! Nach einigen Songs scheint Cairns zwar schon deutlich besser mit den Tönen zurechtzukommen, aber vielleicht ist es auch nur das eigene Ohr, das kapituliert und sich an das Gebotene gewöhnt.

Und das wäre unter anderen Umständen gar nicht so schlecht. Cairns stellt mit einigen echt fetten Riffs aus der Bandgeschichte (der Einstieg mit „Screamager“ macht in der Tat Laune!) unter Beweis, dass er live an der Gitarre deutlich besser aufgehoben ist, als am Mikro. Und auch Bass und Schlagzeug liefern eine durchaus ordentliche Vorstellung ab. Immer wieder klingen Momente durch, an denen Härte und Ideenreichtum aufeinander treffen und man beginnt zu verstehen, warum das Publikum die Band offensichtlich abfeiert. Live mag das alles funktionieren – als Album aber definitiv nicht. Und wenn man es tatsächlich geschafft hat, sich durch beide CDs durchzuquälen, stellt sich auch die Frage nicht mehr, was schlimmer ist, als ein nachträglich bearbeitetes live-Album. Muss ich die Antwort wirklich geben?

Anspieltipps:

  • Screamager
  • Enjoy The Struggle
  • Moment Of Clarity
  • Nausea
  • Polar Bear

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