Feldneun - 02 - Cover
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Feldneun 02


  • Label: Blue Pearls/INDIGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Jazzband im ursprünglichen Sinne sind Feldneun keinesfalls. Auch wenn auf ihrem Debüt „01“ teilweise noch Querverweise zu Jazzgrößen vorhanden waren, hat sich Mastermind Uwe Haas, der mit vier neuen Bandmitgliedern das Album „02“ aufnahm, ein anderes Ziel gesetzt: Er will Sounds skizzieren, Atmosphären entwerfen und dem nicht Hörbaren einen Klang entlocken. Was erst einmal esoterisch klingen mag, entpuppt sich als interessantes, allerdings auch nicht leicht konsumierbares Werk.

„01“ beginnt mit dissonanten Klavierakkorden, die allerdings nur alle zehn Sekunden zu hören sind, dann steigt eine Klarinette ein, dann mal punktuell ein Kontrabass oder ein Schlagzeug. Darüber liegen jedoch immer elektronisch erzeugte Sounds, die mal wie ein Rasseln, dann wie eine Spieluhr oder auch mal nach einem Schneebesen klingen. Daraus ergibt sich ein experimenteller Klangteppich, bei dem jedoch kein Instrumenteneinsatz beliebig klingt, sondern alles genau an Ort und Stelle sitzt. Schon bei diesem Track zeigt sich, dass das Ziel einen akustischen Raum zu schaffen dem Hörer einiges abverlangt. Am ehesten könnte man sich „01“ als die musikalische Untermalung eines expressionistischen Stummfilms vorstellen.

„02 geht einen anderen Weg. Hier werden immer wieder von den Instrumenten Melodien angedeutet, dann jedoch von Elektronika durchschnitten und anders zusammengeführt um dann doch wieder auseinander zu gehen. Als eingängig kann man dies nicht bezeichnen, aber die teilweise auftretenden Melodiefetzen geben dem geneigten Zuhörer zumindest eine Chance sich irgendwo akustisch festzuhalten. Dieser Halt wird im folgenden jedoch sofort wieder entzogen. Wüsste man nicht, dass die CD so sein soll, bei „03“ würde manch ein HiFi-Anlagenbesitzer sicherlich denken, dass CD-Player und Boxen kaputt sind. Da folgen Dissonanzen aufeinander, die plötzlich harmonisch erscheinen, Geräusche erklingen, deren Ausgangspunkt fremd ist und die man noch nie gehört hat.

Nachdem „01“ schon einem expressionistischen Stummfilm gut zur Seite stehen könnte, geht „04“ noch weiter. Langgezogene Töne, Laute und Geräusche erzeugen fast schon apokalyptische Gedanken, kurz vor dem Beginn derselben. Wer bis dahin durchgehalten hat, kann sich an den Klarinettenklängen, gepaart mit subtiler Elektronik zu Beginn „05“ erfreuen. Hier entsteht durch die Klangfarbe eine fast angenehme Atmosphäre. Doch ein Surren verheißt nichts Gutes. Nach gut zwei Minuten erklingt ein Kontrabass und im Hintergrund vernimmt man ein lauter werdendes Geräusch, das aneinander geschlagene Becken zu sein scheinen. Der Versuch, sie genau zu verorten entzieht sich jedoch dem Hörer, denn wieder werden elektronisches Surrren und nicht identifizierbare Klänge von irgendwo her eingespielt.

„06“ nimmt wieder das bei „01“ punktuell eingesetzte Klavier auf. Diesmal jedoch werden harmonische Akkorde eingespielt, allerdings erneut nur in relativ unregelmäßigen Abständen. Leise untermalen dabei wieder Elektronika die Situation. Die ersten drei Minuten deuten an, dass es sich hier um die Ruhe vor dem Sturm handelt. Dann setzt der Kontrabass ein, die Klarinette erklingt ab und an auch und ergeben ein fast schon chaotisches Klangbild. Die letzten Sekunden gehören dann wieder den Klavierakkorden und Filmkenner werden sich dabei an die berühmte Melodie des Filmes „Halloween“, sobald dort Michael Myers auftaucht, erinnert fühlen. Ob sich das Veröffentlichungsdatum kurz nach Halloween als ein Zusammenhang erkennen lässt, muss dabei offen bleiben.

Die Raumeindrücke, die jeder einzelne Hörer bekommt, werden individuell verschieden sein. Allerdings hätte man der CD noch einen Warnhinweis geben sollen „Für psychisch labile Menschen ungeeignet: Hören in dunklen Räumen auf eigene Gefahr!“. Abgesehen davon handelt es sich um ein hochklassiges, eigentümliches und zutiefst irritierendes Werk, welches von Uwe Haas persönlich in Perfektion produziert wurde.

Anspieltipps:

  • 01
  • 02
  • 05

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