The Notwist - Neon Golden (Deluxe Edition) - Cover
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The Notwist Neon Golden (Deluxe Edition)


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 171 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die „nonkonfirmistische Herangehensweise” von Christof Ellinghaus hat seinem Label City Slang nach 20 Jahren den Ruf einer der bekanntesten und geschmackssichersten Indie-Plattformen eingebracht. Gefeiert wird allerdings nicht mit protzigen Wiederveröffentlichungen und Best Of-Zusammenstellungen, sondern vielmehr mit sinnvollen Ergänzungen und Updates zu allseits bekannten, wegweisenden Alben, die unter dem Banner City Slang für Bestnoten und internationale Anerkennung sorgten. Diese sogenannten Deluxe Limited Edition-Reissues beschränken sich dabei auf die drei Bands Lambchop, Calexico und The Notwist. Letztere ist mit „Neon golden“ vertreten, das bei seinem ursprünglichen Release im Januar 2002 einen weltweiten Hype um die Weilheimer Band rund um Markus Acher (Gitarre, Gesang), Michael Acher (Bass), Martin Messerschmidt (Schlagzeug) und Martin Gretschmann (Elektronik) entfachte.

Bei neuerlicher Betrachtung acht Jahre später scheint der fünfte Longplayer in der Diskographie von The Notwist kein Bisschen gealtert. Die mit melancholischem Gestus von Markus Acher vorgetragenen Stücke verzaubern damals wie heute durch ausgeklügeltes Songwriting und ständig fordernde Arrangements, die trotz ihrer elektronischen Dominanz nie seelenlos oder berechnend wirken, sondern voller Ekstase und entrückter, verletzlicher Schönheit strotzen. Auf „Neon golden“ einzelne Songs hervorzuheben fällt jedoch schwierig. Das Album hat einen unablässigen Spannungsbogen, der Hörer wird permanent zum Weiterhören animiert und wenn dies nur wegen gedoppelten („Pilot“) oder abgehackten Vokalspuren („This room“), knarzigen Elektrotunes („Trashing days“), zupackenden Rockriffs („One with the freaks“) oder mantraartigen Flöten- und Gitarrenklängen („Neon golden“) geschieht. Mit einem Wort: The Notwists 2002er Werk ist und bleibt „überwältigend“.

Zusätzlich zur normalen CD ist auf der speziellen Deluxe Limited Edition von „Neon golden“ noch der Dokumentarfilm „On/Off the record“ von Jörg Adolph enthalten, der von der Entstehung, dem Weg zur fertigen CD, im Prinzip über alles, das mit dem Wort „Neon golden“ und The Notwist in Verbindung gebracht werden kann, handelt. Chronologisch, direkt, nah und unverfälscht fängt der Filmemacher die magischen Momente bis zur Endfassung ein, scheut sich nicht die Kamera einfach mal irgendwo abzustellen und ein Gespräch mitzuschneiden, die daraus resultierende Intensität während den Aufnahme-Sessions macht selbst Außenstehende und Nicht-Fans zu einem Teil des Ganzen. Abgesehen davon zeigt die 90-minütige Dokumentation ebenso Gegensätzlichkeiten wie die routinierte und maschinell wirkende Abmischung in den Abbey Road Studios oder die trockene Herangehensweise des Labels, das den bestmöglichsten Weg der Vermarktung nehmen will.

Fazit: Als kostengünstiges Doppelpack ist diese Jubiläumsausgabe von „Neon golden“ die perfekte Gelegenheit um diesen Klassiker der deutschen Musikkultur wieder zu entdecken oder zum ersten Mal in sein Leben zu lassen.

Anspieltipps:

  • This Room
  • Consequence
  • Neon Golden
  • Trashing Days
  • One With The Freaks

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