Ray Davies - See My Friends - Cover
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Ray Davies See My Friends


  • Label: Universal Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Man kann es auch übertreiben! Sicherlich war „Supernatural“ (06/1999) weltweit ein voller Erfolg und mit über 25 Millionen verkaufter Einheiten riss sich Carlos Santana aus dem jahrelangen Dornröschenschlaf, doch die (mal mehr, mal weniger fruchtbaren) Kollaborationen mit einer ganzen Armada an Künstlern und Musikern aus den unterschiedlichsten Bereichen erschöpft sich nun auch einmal, was mit dem letzten Aufguss „Guitar heaven: The greatest guitar classics of all time“ (09/2010) regelrecht bemitleidenswerte Ausmaße annahm. Nichtsdestotrotz ließ es sich Rolling Stones-Gitarrist Ronnie Wood nicht nehmen und wollte mit „I feel like playing“ (09/2010) ebenfalls auf den rostigen Zug aufspringen und neues Material gemeinsam mit altbekannten Weggefährten darbieten. Das Ergebnis war jedoch wenig überzeugend.

Leider steht bald Weihnachten vor der Tür und während die Greatest Hits- und Best Of-Maschinerie bereits auf vollen Touren läuft, darf natürlich ein weiteres All Star-Projekt nicht fehlen. Dieses Mal ist The Kinks-Sänger und Songwriter Ray Davies an der Reihe, der unter dem Namen „See my friends“ ausgewählte Songs seiner Londoner Stammformation von verschiedenen Musikern interpretieren und gemeinsam mit ihm performen ließ. Davies Plattenfirma dürfte dem Unterfangen allerdings nur halbherzige Aufmerksamkeit schenken, denn wieso sonst sollte eine Veröffentlichung dieser Art nur mit einem einzigen Satz als Promotext abgespeist („„See My Friends“ ist ein außergewöhnliches Album, auf dem Ray Davies gute Freunde und Weggefährten wie Metallica, Mumford & Sons, Mando Diao, Amy Winehouse und viele andere ins Studio geladen hat, um mit ihm seine größten Hits der Kinks und Songs aus seiner Feder neu aufzunehmen.“) und mit Amy Winehouse geworben werden, wenn diese gar nicht daran teilnimmt, obwohl z.B. Bruce Springsteen unverständlicherweise ausgeklammert wird?

Die Antwort gibt sich die Platte anschließend selber: „See my friends“ ist nämlich (genau wie der Pressetext bzw. -satz) schlichtweg uninspiriert. Der Eröffnungstrack „Better things“ mit dem Boss ist biederer Rock von der Stange, „Celluloid heroes“ verkommt in den Händen von Jon Bon Jovi und Richie Sambora zu einer pathetischen Schunkelnummer und „You really got me“ unter der Aufsicht von Hetfield & Co. ist das brave Äquivalent zum rotzigen Original. Das Ziel, bislang unbekannte Facetten eines Evergreens durch den Einfluss anderer Freigeister ans Tageslicht zu befördern, ist demnach fehlgeschlagen. Selbst eine unkaputtbare Hymne wie „Waterloo sunset“ mit Unterstützung von Jackson Browne bleibt eindimensional und wenn Snow Patrol-Sänger Gary Lightbody „Tired of waiting for you“ in den schmachtenden Kontext seiner Britpop-Truppe setzt, scheint alles Hopfen und Malz verloren.

Wo jedoch die großen Namen keine Akzente setzen können, besticht der Nachwuchs. Die beseelte Version von „Days / This time tomorrow“ mit den Folk Rockern Mumford & Sons fällt darunter, Amy MacDonald liefert sich ein entzückendes Duett mit Davies in „Dead end street“, „Lola“ und Paloma Faith sorgen für die richtige Prise Soul und der flotte „Fafafafa“-Rhythmus eines „David Watts“, das die kalifornischen Indie-Rocker „The 88“ einspielen dürfen, macht ordentlich Laune. Damit steigert „See my friends“ zwar seine Daseinsberechtigung, ein gelungenes Rundumpaket ist der vielversprechende Freundschaftsdienst allerdings nicht geworden.

Anspieltipps:

  • Lola
  • David Watts
  • Dead End Street
  • Days / This Time Tomorrow

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