Calexico - Hot Rail (Deluxe Edition) - Cover
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Calexico Hot Rail (Deluxe Edition)


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 103 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein nicht ausnahmslos perfektes, aber durchaus perfekt inszeniertes und ausgeführtes Album.

Die „nonkonfirmistische Herangehensweise” von Christof Ellinghaus hat seinem Label City Slang nach 20 Jahren den Ruf einer der bekanntesten und geschmackssichersten Indie-Plattformen eingebracht. Gefeiert wird allerdings nicht mit protzigen Wiederveröffentlichungen und Best Of-Zusammenstellungen, sondern vielmehr mit sinnvollen Ergänzungen und Updates zu allseits bekannten, wegweisenden Alben, die unter dem Banner City Slang für Bestnoten und internationale Anerkennung sorgten. Diese sogenannten Deluxe Limited Edition-Reissues beschränken sich dabei auf die drei Bands Lambchop, The Notwist und Calexico. Letztere ist mit den beiden Platten „Hot rail“ (05/2000) und „Feast of wire“ (02/2003) vertreten, die den guten Ruf der ambitionierten Truppe aus Tucson, Arizona nicht nur ausbauten, sondern mit den richtigen Argumenten weit über die bescheidenen Indie-Grenzen hinaus bekannt machten.

Bei „Hot rail“ war vor allem die poporientierte Nummer „Crystal frontier“ schuld, die mit ihrer Western-Atmosphäre und den Mariachi-Bläsern Calexico massives Radioairplay bescherte, was allerdings im Gegensatz zum recht experimentellen, restlichen Album stand. Paradigmatisch hierfür das beinahe 8minütige „Fade“: Beginnend als entspannte Jam-Session entfaltet der Track einen unglaublichen Sog und offenbart durch den offenkundigen Einsatz von Jazzelementen die „No Border-Mentalität“ in der Musik von Joey Burns (Gesang, Gitarre) und John Convertino (Schlagzeug, Perkussion). Der ganzen Platte haftet zudem ein unüberwindbares Gefühl der Schwermut, der Aussichtslosigkeit an, was sich zusätzlich in den bitteren Geschichten über Einsamkeit und Trostlosigkeit, welche sich im Grenzland zwischen den USA und Mexiko abspielen, manifestiert. Selbst die vielen Instrumentals („El picador“, „Ritual road map“, „Untitled III“, „Untitled II“, „Muleta“, „Tres avisos“) sprechen die gleiche Sprache oder erzählen einem Hörspiel gleich ihre eigenen Ankedoten („Mid-town“, „16 Track scratch“, „Hot rail“).

Als Beilage zur Limited Deluxe Edition von „Hot rail“ liegt außerdem eine Bonus-CD bei, die neben Remixes und B-Seiten auch Material der EP „Even my sure things fall through“ (05/2001) enthält. Im Gegensatz zur Hauptscheibe ist die Draufgabe jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn viele der Tracks haben kaum etwas mit dem schwülstigen Charme des großen Bruders gemeinsam (z.B. „CF (Buscemi Instrumental Remix)“ als perkussiv angelegter, schwachbrüstiger Housetrack), verlieren sich in Endlosschleifen („Chach (Tasha Bundy Remix)“, „Still missing“, „Triple T Truckstop“) oder stellen bestenfalls nette Ergänzungen dar („Crooked road“, „Banderilla“). Die einzige Ausnahme bildet „Dia de los muertos“: Als Äquivalent zu „Fade“ angelegt, generiert der Longtrack in über 9 Minuten eine fabelhaft reduzierte Atmosphäre aus Jazzbläsern und schleichenden Trip Hop-Sounds mit andächtig aus den Boxen perlenden Klängen.

Nichtsdestotrotz sollte sich der jahrelange Calexico-Fan zweimal überlegen, ob er hier zugreift, denn in der Deluxe Limited Edition steht ein nicht ausnahmslos perfektes, aber durchaus perfekt inszeniertes und ausgeführtes Album (8 Punkte) einer beinahe komplett überflüssigen Bonus-CD (4 Punkte) gegenüber, was den Preisaufschlag für die City Slang-Jubiläumsneuauflage ad absurdum führt.

Anspieltipps:

  • Fade
  • Muleta
  • Drenched
  • Crystal Frontier
  • Untitled III (Virus Style Mix Swordmen Mix)

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