Triptykon - Eparistera Daimones - Cover
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Triptykon Eparistera Daimones


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 74 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein wahrlich beeindruckender und höchst atmosphärischer Einstand!

Tja, die dunklen, bedrohlichen Schatten von „Monotheist“ (05/2006) waren wohl doch kürzer als gedacht. Trotz der zufriedenstellenden Rückkehr des schweizerischen Black/Doom Metal-Unikats haben Celtic Frost mit dem Weggang von Thomas Gabriel Fischer in 2008 nun endgültig das Zeitliche gesegnet. Fans der schleppend-morbiden Apokalypse dürfen sich trotzdem freuen, denn mit Triptykon hat Fischer ein neues Projekt gestartet, dass er nach eigener Aussage so nah wie möglich an seinen früheren Arbeitgeber heranbringen will. Einen ersten Vorgeschmack auf die düstere Welt dieser musikalischen Vorhölle darf bereits das Coverartwork des Debüt abgeben, dass von niemand geringerem als H.R.Giger, der am ehesten durch seine Arbeit an den Alien-Filmen bekannt sein dürfte, stammt: Hässliche Fratzen werden durchbohrt, penetriert oder stellen selbst in ihrer Form Phallus-Symbole dar. Wie das vorliegende Machwerk „Eparistera daimones“ entfacht auch das Artwork des Schweizer Surrealisten eine dämonische Anziehungskraft, mit dem Sigmund Freud seine wahre Freude hätte.

Musikalisch benötigt man weniger tiefenpsychologische Analysen um bei „Goetia“ sofort zu wissen, was es geschlagen hat, denn Fischers markante Riffwand benötigt weder das kurze Zeit später folgende „Uuh“, noch seine unheilvoll-brodelnde Atmosphäre um die Handschrift des 47jährigen auszumachen und weil es bereits so schön nach modrigen Leichen riecht, legen Triptykon mit „Abyss within my soul“ in ähnlicher, leicht gedrosselter Manier nach. Mit „In shrouds decayed“ fließt die tiefschwarze Komposition anfänglich im Schneckentempo in den Gehörgang, bis ihr ab der Mitte nach und nach Aufputschmittel eingeflößt werden, die allerdings nur einen dezenten Geschwindigkeitsanstieg zur Folge haben. Im Gegensatz zu „A thousand lies“, das nach dem nichtssagenden Instrumental „Shrine“ die Schädeldecke aufbohrt und mit gänsehautfördernden Verzweiflungsschreien und flotten Unterbau recht schnell auf den Punkt kommt. Hier spricht Fischer jedenfalls eine wesentlich andere Sprache als noch zuletzt bei Celtic Frost.

Weiter geht es mit „Descendant“. Monotheist-Stimmung paart sich mit gurgelnden Riffs und Vocals, die infernale Doomspirale fordert ihr erstes Opfer: Unaufmerksamkeit und Unruhe aufgrund vorherrschender Gleichförmigkeit. Aufbrausendes Finale hin oder her. „Myopic empire“ begeht beinahe den gleichen Fehler, baut allerdings ein kurzes Pianointermezzo ein, das von einer weiblichen Stimme gestützt wird und kann auf diese Weise das Ruder im letzten Moment herumreißen. Selbige Dame (Simone Vollenweider) darf im ruhigen „My pain“ erneut den Hörer bezirzen („Fall asleep in my arms“), während zum Abschluss „The prolonging“ als fast 20minütiges Epos seine bedrohlichen Schwingen ausbreitet. Gebraut aus denselben Zutaten wie „Goetia“, „Abyss within my soul“ oder „In shrouds decayed“ durchläuft der nebelverhangene Obelisk sämtliche Höhen und Tiefen von „Eparistera daimones“, ist letzten Endes aber zu wenig fokussiert um nachhaltig zu beeindrucken.

Damit ist Triptykon ein wahrlich beeindruckender und höchst atmosphärischer Einstand gelungen, im Vergleich zu „Monotheist“ fehlt es dem neuen Projekt von Thomas Gabriel allerdings an zündenden Ideen. Die wichtigen Eckpunkte sind vorhanden, doch die Ausführung könnte ruhig etwas straffer und demzufolge packender inszeniert sein. Fast jedem Song dabei zuzuhören wie er sich zur nächst gelegenen Klippe schleift um in den Tod zu stürzen, während dieses Vorhabens aber schon auf halber Strecke verendet, ist auf Dauer einfach zuviel des Guten. Wer nur seinen Celtic Frost-Kick abholen möchte, ist hiermit sicherlich gut bedient, für innovativere Aspekte müssen Fans der legendären Black/Doom-Truppe allerdings auf folgende Großtaten warten.

Anspieltipps:

  • Goetia
  • My Pain
  • A Thousand Lies
  • In Shrouds Decayed

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