The Young Gods - Everybody Knows - Cover
Große Ansicht

The Young Gods Everybody Knows


  • Label: Two Gentlemen/INDIGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit einem Namen muss man leben. Selbst wenn man seinen Namen ändert, wird es immer wieder Menschen geben, die einen mit dem alten Namen verbinden. Egal wie sehr man sich wandelt. The Young Gods haben wahrscheinlich auch heute noch kein Problem mit ihrem Namen, auch wenn sie nach 25 Jahren Bandgeschichte nicht unbedingt zu den Neulingen der Szene gehören. Ihr Anspruch ist es, die Musik neu und spannend zu gestalten, sodass das Prädikat „Young“ gerechtfertigt wird. Über „God“ lässt sich bekanntlich streiten. Wie gut der neueste Elektrostreich der Schweizer Industrial-Pioniere ist, lässt sich jedoch nicht an ihrem Namen, sondern allein an der neuen Musik ausmachen.

Auch „Everybody Knows“ wird man nicht bei den großen Radiostationen hören können. The Young Gods geben sich nach einem Vierteljahrhundert noch immer unnahbar und ziehen nur den harten Kern an. Auch wenn inzwischen eine Gelassen- und Abgehobenheit fester Teil der Band geworden ist, kann man sich darauf verlassen, dass die Industrial-Einflüsse nie vergessen werden. Gleich das Intro macht diesen Fakt kratzig, aber nicht heftig deutlich. Wer weiß, dass die Schweizer eben im Industrial ihre Geburt fanden erkennt hinter der ruhigen Elektro-Fassade die alten Elemente in „Blooming“. Diese Musik ist jedoch für entspannte Lounges mit Hang zum Experimentieren gemacht. Auch „Mr. Sunshine“ ist eher zwischen Indie-Radio und Lounge anzusiedeln, als in Clubs.

Diese sollen mit dem Restprogramm gestürmt werden. Ob „Noland's Man“, „Miles Away“ oder „Tenter Le Grillage“ aus den Boxen über die Massen strömt: Hektik wird hier mit routinierter Melodiefindung gepaart und ergibt nicht selten eine Mischung, die zwischen Kunst und Kraft hin und her wechselt. Entweder wirken die Songs bodenlos verschroben oder simpel, aber treibend. Ob das der erwünschte Effekt der Musik sein sollte, ist zu bezweifeln. Hier wird ein progressives Electro-Spektakel geboten, das viele Querverweise zu Industrial aufweist. Man kann also nicht meckern, dass diese Musik zu eindimensional wäre. Schon eher macht man sich Sorgen, weil am Ende niemand so genau weiß, was er mit diesem Mix anfangen soll, außer sich im Wohnzimmer zu verschanzen und eine seitenlange Abhandlung über eben Gehörtes zu verfassen. Das klingt zwar unheimlich interessant und fordernd. Ist aber für viele undurchsichtig und überfordernd. Ob die Kritik nun an den Hörer oder den Interpreten geht, steht auf einem anderen Blatt.

Anspieltipps:

  • Blooming
  • Tenter Le Grillage
  • Mr. Sunshine

Neue Kritiken im Genre „Electro-Rock“
5/10

Spectra
  • 2017    
7/10

Live... Auf Rauen Pfaden
  • 2016    
6/10

Juggernaut
  • 2016    
Diskutiere über „The Young Gods“
comments powered by Disqus