Jimmy Gnecco - The Heart - Cover
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Jimmy Gnecco The Heart


  • Label: Bright Antenna/ADA Global
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer die Musik auf „The Heart“ von Jimmy Gnecco nur oberflächlich hört, kommt kaum umhin, sie und vor allem seine Stimme als mittelprächtige Thom Yorke-Kopie auf Akustikpfaden zu sehen. Doch beschäftigt man sich mit dem Treiben des Amerikaners, dem jugendlichen BMX-Profi, der viel zu früh seine Rad-Leidenschaft aufgeben musste, dem Frontmann der Rockband Ours, welche drei Alben herausbrachte, so kommt man der Persönlichkeit auf „The Heart“ deutlich näher, ist sich ihrer Intensität viel mehr bewusst und es existiert kein Hauch von Zweifel mehr, dass Jimmy Gnecco seine emotionale Unmittelbarkeit definitiv ernst meint. Dazu kamen schließlich noch viel schwerer wiegende Ereignisse. Während der Produktion zu Jimmys erstem Soloalbum starb seine Mutter, ein guter Freund und nicht unwesentliche Inspiration, der große Jeff Buckley, schied bereits 1997 aus dem Leben.

So ist „The Heart“ für Jimmy Gnecco ein Versuch, sich seinen Schmerzen zu stellen, den Zweifeln und der zwangsläufigen Zuversicht eine Sprache zu verleihen, die man weltweit versteht. In zumeist zurückgenommenen Arrangements, die von der Akustikgitarre und Jimmys leidenschaftlichen Vocals leben, doch nicht minder seine Eigenschaft als Multiinstrumentalist zeigen, denn auch Bass, Keyboard sowie Schlagzeug gehen auf sein Konto, ebenso die Produktion. Trotz der Intensität und der durchaus charismatischen Songs, so erinnert doch gleich der Opener „Rest Your Soul“ an diverse, frühe Radiohead-Schmachtfetzen im Akustikgewand, wovon der Hörer erst im Verlauf der Platte Abstand nehmen kann. Besonders die unfassbar tiefgründige, traurige Stimmung nimmt einen gefangen, fesselt einen mit angreifbarer Offenheit.

Melancholisch taumelnd rettet sich Jimmy Gnecco bei „Light On The Grave“ durch die Nacht, gleicht einem einsamen Wolf auf Wanderschaft, nur die gezupfte Gitarre hält den Kontakt zu dem Weltlichen. Darüber hinaus ist „The Heart“ dann am besten, wenn wirklich nur die Gitarre und Stimme möglichst rau aus den Boxen kommen. „Mystery“ ist so eine Duftmarke, die richtig gut gefällt, auch weil Jimmy dort seine hohen Tonlagen nicht bis aufs Äußerste herausfordert. Zwischendurch, nämlich wenn er bei „I Heard You Singing“ mehr als deutlich Jeff Buckley huldigt, steht die Welt still und es hätte noch schöner werden können, klänge nicht manches so bemüht und mit der Spielzeit etwas langwierig.

Anspieltipps:

  • Mystery
  • The Heart
  • I Heard You Singing
  • Darling

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