Sea Wolf - White Water, White Bloom - Cover
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Sea Wolf White Water, White Bloom


  • Label: DevilDuck/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„White Water, White Bloom“ überzeugt mit geschmackvollen Melodien, die nicht anbiedern und auch in Dauerrotation nicht an Attraktivität einbüßen.

Jack Londons Roman stand Pate bei der Namensgebung von Sea Wolf, einer Band, die aus dem Ein-Mann-Projekt von Alex Brown Church (Gesang, Gitarre) hervorging. In seinem Wohnzimmer entstand in Lo-Fi-Manier sein EP-Debüt „Get To The River Before It Runs Too Low“, auf seinem ersten Album „Leaves In The River” (2007) hatte Church bereits einige Gastmusiker um sich geschart, eine feste Band hat sich jedoch erst mit dem 2009 erschienen „White Water, White Bloom“ herausgeschält. Jörg Tresps aufstrebendem Kleinlabel Devil Duck sei Dank liegt das Album nun hierzulande (um zwei Bonustracks erweitert) vor. Die Aufnahmen entstanden überwiegend in Montreal, nur zwei Songs („Wicked Blood“ und „O Maria!“) in Churchs Heimat Kalifornien.

Nicht umsonst spiegeln sich die kalten Winter Montreals in einigen Songs wieder, „Winter’s Heir“ und „Winter Windows“ setzen sich unmittelbar mit der dunklen Jahreszeit auseinander. Allzu düster wird es jedoch nicht, vielmehr ist in der Kunst von Sea Wolf eine wunderbare Balance zwischen Melancholie und Leichtigkeit zu finden. Selbst in den dunkelsten Momenten („Orion & Dog“) – insbesondere von den Streichinstrumenten hervorgerufen – umschiffen die Songs die tiefschwarzen Abgründe. Sicherlich auch der melancholisch-melodisch schwingenden Stimme Alex Brown Churchs geschuldet sowie den Sea Wolf Musikern Lisa Fendelander mit fantasievollen Keyboards und der allen Tempobereichen gewachsenen Rhythmusgruppe, die in Bassist Ted Liscinski und Drummer Joey Ficken zwei echte Könner vorzuweisen hat. Mike Mogis (Bright Eyes) hat das Ganze adäquat produziert und war außerdem an diversen Instrumenten zugegen. In Nate Wallcot findet sich ein weiterer Bright Eyes Mitstreiter, der Cello spielte und die Streicherparts mit Catherine Odell arrangierte. Jene Arrangements zerschmelzen kunstvoll mit Gesang und Musik, das beschwingte „The Orchard“ ist nur ein Beispiel hierfür.

„White Water, White Bloom“ überzeugt mit geschmackvollen Melodien, die nicht anbiedern und auch in Dauerrotation nicht an Attraktivität einbüßen, Church beherrscht die hohe Kunst des Songwritings. Will man Vergleiche heranziehen kommt man um den Namen Bright Eyes nicht herum. Oben erwähnte Musiker und Churchs Timbre, das dem Conor Obersts nicht unähnlich ist, sind hierfür verantwortlich. Des Weiteren ist das Songwriting Will Oldhams nicht weit, auch Spuren von Iron & White lassen sich heraushören. Trotz aller Referenzen produzierten Sea Wolf eine ganz eigene Atmosphäre. Opulente Momente gehen mit zärtlicher Hand in Hand, die Dunkelheit wird mit sonnengelber Couleur kontrastiert, die musikalischen Wellen fließen sanft, aber bestimmt.

Ausgesprochen schön ist das aufwändige Digipack gestaltet mit einem beidseitig bedrucktem zweifach aufklappbaren Textblatt, das Lyrics und Bildermotive zum Inhalt hat und mit dem Gehörten so ausgezeichnet korrespondiert, dass man sich fragt wie Leute mit ausschließlichem mp3 Hören zufrieden sein können. „White Water, White Bloom“ ist ein Rundum-Glücklich-Paket und ich wiederhole mich gerne: gerade die kleinen Labels wie Devil Duck, Tapete, Stag-O-Lee oder auch Affairs Of The Heart überzeugen immer wieder mit kunstvollen Verpackungen, in denen hervorragende Musik steckt.

Anspieltipps:

  • Wicked Blood
  • O Maria!
  • White Water, White Bloom
  • The Traitor
  • Winter’s Heir

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