Warpaint - The Fool - Cover
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Warpaint The Fool


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Thematisch ist die Veröffentlichung von Rough Trade mal wieder goldrichtig in die Zeit der kurzen Tage, der strengen Winde und der dunkelwolkigen Himmel gelegt.

Warpaint-Rezension gänzlich ohne The-XX-Vergleich: „You could have been my marquis“, die Kerbe in die die reine Frauengruppe Warpaint aus Los Angeles ritzt, ist die der Trauer, Reflexion und Schmerzverarbeitung. Ihre Melange aus Post-Punk, Shoegaze und Indie-Rock drückt in eine Athmosphärik, wie sich der Mensch wohl die Tiefsee vorstellt, rechtfertigt größtenteils den bereits ausgelösten Hype und eignet sich wunderbar für melancholische Schwarz/Weiß-Videos.

Dennoch ist der vierer aus Los Angeles kein Abklatsch, sondern ein empfindsames Wiederaufgreifen alter Gegenbewegungstugenden angesiedelt um die frühen Joy Division oder The Cure. Warpaints Debütalbum ist aber auch nicht, das sollte offenherzig gleich zu Beginn bekannt werden, ein neues Über-Album, welches die bisweilen erbittert geführten Online-Debatten irgendwie legitimieren würde. Warpaint sind neu, jung, aus Los Angeles und richtig Gut. Nicht mehr und nicht weniger. Die vier Frauen, die 2008 erstmals auf sich aufmerksam machten mit einer EP mit dem schön gothic-lastigen Titel „Exquisite Corpse“, die von John Frusciante gemixt und gemastert wurde, stießen schnell und steil vor in den Markt melancholischer Jungmenschenträume, ein Primetime-Auftritt auf dem SXSW-Festival, dem neuen amerikanischen Indie-Underground-Festival-Mekka, als bisherigen Höhepunkt.

Da ist noch gewaltig Luft nach oben also, nicht nur was Erfolg und Bekanntheit angeht. Auch musikalisch offenbart „The Fool“ das Emily Kokal (Gesang, Gitarre), Theresa Wayman (Gesang, Gitarre), Jenny Lee Lindberg (Gesang, Bass) und Stella Mozgawa (Schlagzeug, Keyboards) noch nicht am Ende ihrer Künste angelangt sind und ihr Opus Magnum noch vor sich haben. Zum Glück, ist ja erst ihr Langspieldebüt. Zum einen entfalten Songs wie das hinreißende „Bees“ oder das fabelhafte „Warpaint“ exzellent zeitlose Magie mittels dreistimmigen Gesangs, wunderschön gesetzten Gitarrenläufen, bei rockiger Rhythmisierung und verträumten Sound-Gimmicks, zum anderen aber ist das ein oder andere „uh“ und „ah“, im ein oder anderen Chorus eine Prise zuviel weiblicher Intimität die nach Beachtung lechzt, sind die Indie-Riffs manches Mal nah am Abgeschmackt-Status und die Gefühlslawine erdrückend soft. Mehr oder weniger der Feinschliff also, die Gefühlsdosierung oder das Arrangement wann welches Register gezogen werden soll ist noch perfektionierbar.

Thematisch ist die Veröffentlichung von Rough Trade mal wieder goldrichtig in die Zeit der kurzen Tage, der strengen Winde und der dunkelwolkigen Himmel gelegt. Eine Zeit in der Sensibilität das Gemüt mehr bestimmt als sonst und solcherlei sensible Reflexionen, Betrachtungen und Warnungen wie Warpaint sie draufhaben, à la „don’t you call anybody else Baby“ („Baby“), genau das Richtige zum grübeln und studieren im Herbst der stets mannigfaltigen Sehnsüchte. Ansonsten aber haben die vier Damen aus Los Angeles ein saustarkes Debüt geschaffen, dass, wie gesagt, weitestgehend zu Recht in aller Munde ist und eindringlich untermauert, das Frauen im Rock nicht auf maskulin machen müssen um zu bewegen und zu erstaunen.

Anspieltipps:

  • Bees
  • Warpaint
  • Undertow
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