Josh Groban - Illuminations - Cover
Große Ansicht

Josh Groban Illuminations


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das musikalische Äquivalent zu seinem unnachahmlichen Organ muss Groban noch finden.

Es müssen nicht immer Lektionen aus der Kategorie „Zieh keine voreiligen Schlüsse!“ sein, wenn es darum geht großartige Stimmen aus dem informationsüberladenen Hier und Jetzt zu extrahieren. Klar, es ist spannend einer unscheinbaren Gestalt wie Paul Potts bei seiner unnachahmlichen Darbietung von „Nessun dorma“ aus Puccinis „Turandot“ beizuwohnen oder bei Susan Boyles Interpretation des Songs „I dreamed a dream“ aus der Victor Hugo-Adaption „Les Misérables“ Gänsehaut zu bekommen, aber wesentlich überraschender ist es doch, wenn der perfekte Schwiegersohn oder die perfekte Schwiegertochter das blendende Aussehen mit einer umwerfenden Stimme und hervorstechenden Songschreiberqualitäten verbindet. Shootingstars auf diesem Gebiet sind zweifelsohne Countrypop-Küken Taylor Swift (letztes Album „Speak now“) und Tenor-Sensation Josh Groban, der mit seinem fünften Album „Illuminations“ an seine frühen Erfolge mit seinem selbstbetiteltem Debüt (11/2001) und dem Nachfolger „Closer“ (11/2003), die sich gegen mehrfache Platinauszeichnungen nicht wehren konnten, anschließen will.

Dabei vertraute der 29jährige nicht wie bei den Vorgängern auf den kanadischen Songschreiber und Produzenten David Foster (Celine Dion, Michael Buble, Cher, Christina Aguilera), sondern holte sich Rauschebart Rick Rubin (Metallica, Linkin Park, Red Hot Chili Peppers) ins Boot, der den verträumt-schwelgerischen Klassik-Pop Grobans auf eine neue Stufe heben soll. „Wir haben die Messlatte schon von Anfang an enorm hoch gelegt, deshalb hat es auch so lange gedauert, dieses Album fertig zu stellen. Heute kann ich mit Stolz sagen, dass sich jede Sekunde gelohnt hat. In dieses Album ist mehr von mir, von meiner Persönlichkeit eingeflossen, als in alles, was ich jemals aufgenommen habe!“ erklärt das singende Pausbäckchen, während mit „The wandering kind“ der instrumentale Auftakt aus den Lautsprechern krabbelt und den Hörer behutsam in die richtige Stimmung für 50 Minuten klassisch untermauerten Pop wiegt. Der erste Höhepunkt folgt auf dem Fuß: „Bells of New York City“ ist eine grandios arrangierte Nummer, die nicht einmal Grobans zartschmelzendes Organ benötigt um zu begeistern, da bereits die tänzelnde Pianomelodie und die aufgeweckten Flötentöne eine atemberaubende Symbiose eingehen.

Opernhaft wird es anschließend mit „Galileo (someone like you)“ und dem in italienisch gehaltenen „L´ora dell´addio“, wo Josh inmitten theatralischer bzw. aufbrausender Orchesterunterstützung sein komplettes Repertoire aus Vibrato, emotionalen Hochs und Tiefs und mühelosem Auf und Ab seines Tonumfangs in die Ohren des Hörers entlädt. Bodenständiger geht es in der deutlich poporientierteren Ballade „Hidden away“ zu, die zweifelsohne den zweiten Höhepunkt auf „Illuminations“ darstellt. Hier fusionieren nämlich nicht nur die Instrumente mit der stimmlichen Leistung des Amerikaners, sondern jener schafft es noch abseits dieses beeindruckenden Klangerlebnisses eine Melodie unterzubringen, die einnehmender nicht sein könnte. Danach verliert sich Groban dummerweise in ein paar unausgeglichene Experimente wie z.B. dem Folk angehauchten „Walk away“ mit Mandolinen-Unterstützung, dem von Perkussion und portugiesischem Text getriebenem „Voce existe em mim“ oder dem anklagenden „War at home“ mit politischem Subtext, während zum Ausgleich dick aufgetragene, pathetische Schmachtfetzen („Au jardin des sans pourquoi“, „Higher window“) ihr Territorium abstecken wollen.

Das führt vor allem im Mittelteil zu einigen Inkonsistenzen im Hörgenuß und ist in Anbetracht der eigentlich makellosen Darbietung Grobans ein doppeltes Ärgernis. Eine von Kitsch, Dramatik und feinfühligen Zwischentönen geprägte Nummer wie „Love only knows“ oder minimalistisch gehaltene Liebeserklärungen („Straight to you“) sind auf Dauer sicherlich auch nicht das Gelbe vom Ei, aber wieso Rubin und Groban dermaßen weit über das Ziel hinaus schießen mussten, bleibt schleierhaft. Zum Schluß hallt lediglich die harmonische Perfektion von „Bells of New York City“ und „Hidden away“, sowie Joshs ausgebildete Singstimme nach dem Genuß von „Illuminations“ in den Ohren nach. Das musikalische Äquivalent zu seinem unnachahmlichen Organ muss Groban jedenfalls noch finden.

Anspieltipps:

  • Hidden Away
  • Love Only Knows
  • Bells Of New York City

Neue Kritiken im Genre „Klassik-Pop“
6/10

Irgendwo Auf Der Welt
  • 2017    
8.5/10

Saved By The Bell: The Collected Works Of Robin Gibb 1968-1970
  • 2015    
Diskutiere über „Josh Groban“
comments powered by Disqus