Tim Kasher - The Game Of Monogamy - Cover
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Tim Kasher The Game Of Monogamy


  • Label: Affairs Of The Heart/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Game Of Monogamy“ entwickelt den Charakter eines Soundtracks oder Musicals, ohne das Ein oder Andere tatsächlich zu sein.

Tim Kasher ist ein amerikanischer Singer/Songwriter, der bisher mit seinen Bands Cursive und The Good Life seit Ende der 1990er auf dem Label Saddle Creek mehrere Alben veröffentlicht hat. Mit seinem Solo-Debüt ist er auf dem wunderbaren Kleinlabel Affairs Of The Heart vertreten. Mit Cursive lebte Tim Kasher bisher seine experimentierfreudigere und mit The Good Life hauptsächlich die songdienlichere Seite aus. Man möchte meinen, dass er mit zwei Bands genügend Katalysatoren für seine Kreativität gefunden hat, doch sein vorliegendes Soloalbum „The Monogamy“ belehrt uns eines Besseren.

Das Werk startet mit der „Monogamy Overture“ und gibt gleich die Richtung für das ganze Album vor. Das Behutsame trifft auf das Überschwängliche, herkömmliches Instrumentarium auf orchestrale Monstrositäten, das Leise auf das Laute. Kasher beschwört mit derartigen Klängen das Amerika vor der sexuellen Revolution herauf, nimmt Bezug auf unsere moderne Zeiten, auf Emotionen des Einzelnen, wobei der Amerikaner aus seiner ganz persönlichen Sicht reflektiert. Alleine Songtitel wie „Cold Love“, „There Must Be Something I’ve Lost“ und „The Prodigal Husband“ lassen ahnen, dass im Spiel der Monogamie jede Menge Ernst steckt.

Dementsprechend entwickelt Tim Kasher seine musikalische Sprache auf „The Game Of Monogamy“ und die ist nicht gerade leicht zu verstehen. Rhythmen und Tempi werden immer wieder variiert, diverse Stile miteinander verflochten, so lassen sich auf „A Grown Man“ mindestens drei Songideen entdecken. Auf „I’m Afaraid I’m Gonna Die“ wird dem Titel entgegengesetzt ganz munter und beschwingt drauflos musiziert, in Kashers Stimme jedoch schwingt immer ein Stück Verlorenheit und Verzweiflung mit. Ganz zärtlich singt er „Strays“ und „Surprise, Surprise“, das wie das ganze Album jede Menge Überraschungen parat hat. Hat man gerade noch in herrlichen Streicherarrangements geschwelgt, wird man umgehend mit Heavy Rock Rhythmen konfrontiert, um sogleich in klassisch anmutende Musicalparts zu stolpern. Dann wieder werden fanfarenartige Bläsersätze aufgetürmt wie auf „Bad Bad Dreams“, wo Kasher seine Stimme ausreizt und immer wieder überkippt vor lauter emotionaler Hingabe, die auch auf dem mit himmlischen Streichern veredelten „No Fireworks“ präsent ist.

„The Game Of Monogamy“ entwickelt den Charakter eines Soundtracks oder Musicals, ohne das Ein oder Andere tatsächlich zu sein. Die Arrangements sind ausgetüftelt, reichen von beschwingt bis zum geordneten Chaos. Als Hörer durchläuft man ein Wechselbad der Gefühle, durchaus vergleichbar mit dem Spektrum der monogamen Emotionsskala. Tim Kashers Solodebüt ist kein leicht konsumierbares Stück Musik, vielmehr ein Konzeptalbum, das die Bereitschaft zum aktiven Zuhören fordert. Mit Cursive und The Good Life hat das nicht mehr viel zu tun, abgesehen von Tim Kashers Stimme.

Anspieltipps:

  • Strays
  • Cold Love
  • Bad Bad Dreams
  • No Fireworks

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