The Whigs - In The Dark - Cover
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The Whigs In The Dark


  • Label: ATO Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Abermals ist es unmöglich, nicht zur Musik zu zucken und zu vergessen, was um einen herum geschieht.

Ehrlich zu klingen heißt im Rockgeschäft meistens rau zu klingen. Zumindest für den Anfang ist das sehr wichtig, wenn man seine Stadionhymnen als echte Rocker darbieten möchte. Die Kings Of Leon sind ein immer wieder gutes Beispiel für eine Band, von der vor Jahren noch niemand erwartet hätte, dass sie mit ihrer Musik ganze Hallen zum Schwelgen bringen würden. Die Substanz war da, doch gerade die ersten beiden Alben klangen so abgedreht und auf Southern Rock fixiert, dass niemand den Schritt zur Masse in diesem Ausmaß erwartet hätte. Gleichzeitig haben die Jungs ihre Qualitäten behalten und sind so kein schlechtes Vorbild für andere Bands.

Das lassen sich The Whigs bestimmt nicht zweimal sagen und nutzen diese Inspiration sowie den Dauerproduzenten der Kings Angelo Petraglia (und Jay Joyce), um ihren kraftvollen, leicht britischen Garagen-Rock in neue Dimensionen zu transportieren. Wie groß der Anteil der Produzenten und des neuen Bandmitglieds Tim Deaux dabei sind, vermag jetzt niemand mehr zu sagen, aber ohne den Garagencharme zu verlieren zaubern The Whigs gleich mit „Hundred/Million“ eine Hymne aus dem Hut, die es in sich hat. Der Chrous will einfach mitgesungen werden und die Gitarren werden Massen in Bewegung setzen. Vom kleinen Club bis zur großen Bühne sollte hier jeder Fan von fetzigem Rock bedient werden. Das könnte natürlich auch an der vielen Tour-Erfahrung mit MGMT oder eben den Kings Of Leon und weiteren Größen liegen.

Verzweifelt sucht man nach dem ersten Durchhänger, doch „Black Lotus“, sowie die erste Single „Kill Me Carolyne“ machen einfach zu viel Spaß und bleiben direkt im Ohr. „Someone's Daughter“ grenzt sich dann ein wenig ab von den krachenden Hymnen und lässt das Hymne einfach außen vor. Hier geht es in bester Garagenmanier zur Sache, sodass protestierende Nachbarn bei aufgedrehter Anlage garantiert sind. Ein gutes Zeichen für alle, die schon länger keinen rohen Rock mit Substanz genießen konnten. Gerade meint man mit „So Lonely“ sagen zu können „jetzt ist das immer gleiche Prinzip der Tracks ausgereizt“, erklingt das psychedelische „Dying“. Es erinnert an die letzten Klangausflüge von Oasis, nur dass hier an den rauen Gitarren nichts Befremdliches ist.

Es wird auch nicht direkt zurück zum Krach-Rock gekehrt. Nein, „I Don't Even Care About The One I Love“ möchte man fast schon eine Glamour-Nummer nennen. Natürlich sind die Töne auch hier in einem Maße verzerrt, dass es der Schickeria die Fingernägel aufrollt, doch die Melodie lädt jedermann auf die Tanzfläche. Auch „Automatic“ gibt sich versöhnlich. Hier sind die Kings Of Leons ein klares Vorbild. Zwar geht es im Lied einen guten Tick druckvoller zur Sache, als bei den entspannten Nummern von „Come Around Sundown“ aber die Parallelen sind unübersehbar. Auch „I Am For Real“ strahlt den (jedoch älteren) Geist der Jungs aus Tennessee aus. Der Höhepunkt kommt fast zum Schluss und trägt den Namen des Albums selbst. Der Garagen-Rock ist während dieser zweiten Hälfte bis auf die Machart gewichen und hinterlässt garantierte Partyhöhepunkte wie diese Rockhymne. Abermals ist es unmöglich, nicht zur Musik zu zucken und zu vergessen, was um einen herum geschieht.

The Whigs schaffen es mit einfachsten Mitteln Begeisterung beim Hörer auszulösen. So muss Musik in seiner Reinform klingen. Wer zu verwöhnt von glatten Alben ist, der wird diesen rauen Sound umso mehr umarmen oder abgeschreckt stehen bleiben. Letztere Hörer sind nicht zu beneiden. Sie bringen sich um eine der ganz großen Überraschungen dieses Jahres. Der Dezember klopft schon an und bevor es zu kalt im Heim wird, weht nochmal frischer Wind aus den Anlagen, bevor selbiger die Temperatur kräftig nach oben schrauben wird.

Anspieltipps:

  • In The Dark
  • I Don't Even Care About The One I Love
  • Kill Me Carolyne

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