Kollektiv Turmstrasse - Rebellion Der Träumer - Cover
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Kollektiv Turmstrasse Rebellion Der Träumer


  • Label: Connaisseur Recordings/ALIVE
  • Laufzeit: 60 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

In der Berliner Turmstrasse findet man dieses Kollektiv auch nach ausgiebiger Suche nicht, aber welche Turmstrasse ist gemeint? Das Duo aus Christian Hilscher & Nico Plagemann hat in einer WG seinen Anfang genommen und da liegt es doch nahe, dass der Name daher kommt. Wie dem auch sei, Kollektiv Turmstrasse legen mit „Rebellion der Träumer“ endlich eine eigene vollständige CD vor. Das ist nicht selbstverständlich, denn die meisten DJs/Musiker/Produzenten der Elektroszene legen zwar oft in Clubs auf und sind auch nicht unbekannt, bringen aber erstaunlich selten eigene Alben auf den Markt. Falls überhaupt sind es einzelne Singles zumeist auch nur auf Vinyl erhältlich oder auf Zusammenstellungen elektronischer Musik. Umso erfreulicher ist „Rebellion der Träumer“, ein Album, dass sich einem zentralen Thema widmet, den Träumen.

Die Traumlandschaft beginnt sehr relaxt, lässt die Phantasie des Träumenden langsam aufblühen, wird facettenreicher und intensiver, beinhaltet auch ab und an Gesang. Die Musik bewegt sich zwischen Ambient und Minimal, vorwiegend zum Entspannen und Abhängen predestiniert, manchmal ein wenig fröhlicher und zum Tanzen geeignet. Der Bass ist, typisch bei elektronischer Musik, sehr dominant und gibt das langsame Tempo vor. Eine Serie von kurzen Zwischenstücken („Dazwischen“) verbindet die eigentlichen Tracks miteinander. Sie sind wie ein Traumschleier, der sich durch das ganze Album zieht, den man immer dann wahrnimmt, wenn eine Tiefschlafphase (Rapid Eye Movement Phase) zu Ende ist und kurz bevor der nächste intensive Traum beginnt. Es ist eine faszinierende Reise durch die Welt des Unterbewusstseins, wie eine Aufarbeitung von Eindrücken über die man sich selbst nicht im klaren war.

Nun stellt sich die Frage wieso eigentlich „Rebellion der Träumer“? Hört genau hin und ich werdet feststellen, dass die Träume mit „Dazwischen 9“ enden, es ist Zeit zum Aufwachen. „Addio Addio“ ist deutlich lauter abgemischt, es ist die laute Realität des geschäftigen Alltags, der ständige Hintergrundpegel der Stadt mit dessen Begleitung man aufsteht, in den Tag finden muss, den Blutkreislauf in Schwung bringt. Vielleicht wurde der Träumer aber aus dem Club geschmissen, unsanft aus seinem Traum geholt, der Rausch ist vorbei, der Schädel brummt und verlangt nach einem langsamen Start in den Tag. All das könnte der Abschiedsgruß „Addio Addio“ verkörpern, die Interpretationsmöglichkeiten sind so groß wie die Möglichkeiten in dieser Traumlandschaft namens „Rebellion der Träumer“ abzutauchen. Denn Träume sind nie zu laut, aber sie sind intensiv und auch wenn sie nur kurz dauern, kann in ihnen mehr passieren als die reelle Zeit es erlauben könnte, dies wissen wir nicht erst seit dem Film „Inception“.

Wer Paul Kalkbrenners Soundtrack zum Film „Berlin Calling“ bereits auswendig kennt, sollte natürlich das neue Album seines Bruders Fritz hören, aber er sollte auch einen Schritt weiter gehen, seinen Horizont der Elektromusik erweitern und zu diesem nicht minder faszinierenden Album greifen, das einen auf so verträumte Weise den Alltag vergessen lässt. Sind wir nicht alle tief in uns drin Träumer?

Anspieltipps:

  • Affekt
  • Uneins
  • Deine Distanz
  • Goldmarie

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