Soundtrack - Burlesque - Cover
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Soundtrack Burlesque


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 32 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Schlechte Filme müssen nicht immer schlechten Musikgeschmack besitzen. Allzu oft kommt es nämlich vor, dass ein absolut mieser Kinostreifen oder eine Direct-to-DVD-Gurke einen äußerst ansprechenden Score oder fein säuberlich ausgewählten Soundtrack aufweist, der jedoch aufgrund seines miserablen Partners zu einer kommerziellen bzw. nicht näher erwähnenswerten Totgeburt degradiert wird. Dass ein recht altbacken und inhaltlich bestenfalls durchschnittlich angelegtes Filmmusical trotz vielversprechendem Cast sein verkaufsförderndes Argument (nämlich die Musik) ungestüm an die Wand fährt, ist allerdings selten. Die Rede ist von „Burlesque“, Christina Aguileras erster Arbeit in einem Kinofilm, in der sie noch zusätzlich eine größere Rolle als die nach der Erfüllung ihrer Träume strebende Kellnerin Ali Rose zugesprochen bekommt, die neben ihrem unbefriedigenden Allerweltsjob über ausgezeichnete Gesangstalente verfügt und in der Burlesque Lounge in Los Angeles unter der Führung von Tess, gespielt von Cher, ihr Glück versuchen will.

Die Kerngeschichte wäre damit auch schon erzählt und wie Ali nach mehreren Irrungen und Wirrungen schlussendlich zu ihrem großen Traum kommt, können sich aufmerksame Cineasten bereits denken. Wie eingangs erwähnt ist bei einer extravaganten Produktion wie „Burlesque“ aber gerade die Musik das im wahrsten Sinne des Wortes tonangebende Element und nicht etwa die Dialoge oder die gähnende „Glaub an dich“-Message, doch gerade hier versagt der hauptsächlich von Aguilera vorgetragene Soundtrack leider über weite Strecken. Dabei könnte der Einstieg nicht stimmungsvoller sein: Die 30jährige Amerikanerin schmettert voller Inbrunst den Etta James-Klassiker „Something´s got a hold on me“ aus den Lungen und der fingerschnippende Unterbau vermittelt ein passendes Ambiente, sodass der Hörer sofort in die Zeit Anfang des 20.Jahrhunderts gezogen wird und sich an Aguileras Album „Back to basics“ (08/2006) erinnert fühlt, das bereits eine Ansammlung verschiedener Jazz-, Pop-, Soul-, Blues- und R&B-Stücke war.

Der erste von zwei Beiträgen Chers („Welcome to Burlesque“) spinnt den locker-charismatischen Soul/Swing/R&B-Faden ansprechend fort, allerdings offenbart das anschließende „Tough lover“ in eine allzu übertriebene, Aguilera-bezogene Richtung samt unerträglichem Gejammer („Bound to you“) abzudriften, was noch später im elektrifizierten „Express“ und der völlig unnötigen Marilyn Manson-Verwurstung von „Beautiful people“ (wohl dezente Hinweise auf Christinas unterkühltes Auftreten für ihren aktuellen Longplayer „Bionic“) seine völlig fehl am Platz wirkenden Auswüchse annimmt. Experimente sind beileibe nichts Schlechtes, aber wenn ein an und für sich passender Soundtrack moderne Elemente einbindet nur um sich an das aktuelle Musikgeschehen anzupassen, obwohl diese kaum bis gar nicht in den Kontext passen, dann ist das schon bedauerlich. Glücklicherweise ist niemand auf die Idee gekommen, Aguileras Stimme mit Autotune nachzubearbeiten.

Unterm Strich bleibt bei „Burlesque“ also nicht viel über. Die ehemalig schärfste Britney Spears-Konkurrentin zeigt erneut, dass sie eine wandlungsfähige und strapazierfähige Stimme hat, mit der sie es oft und gerne übertreibt und nicht nur „Lady Marmalade“ trällern kann, doch Fans wissen das ohnehin spätestens seit 2006 und der musikalische Unterbau ist bei ihrem ersten großen Leinwandauftritt einfach zu unspektakulär bis eigenwillig geraten um alle zufrieden zu stellen, geschweige denn für Aufsehen zu sorgen. Chers „Welcome to Burlesque“ fügt sich zwar perfekt in die Epoche ein, doch ihr zweiter Beitrag, das kitschtriefende „You haven´t seen the last of me”, ist mehr glattgebügelter Pop als extravagantes Musiktheater, das besser als Promotionsingle für eine Best Of-Zusammenstellung verwendet hätte werden sollen, was Fans zusätzlich zur geringen Gesamtspielzeit von knapp über einer halben Stunde wohl kaum zugreifen lassen wird. Aguilera-Anhänger könnten an „Burlesque“ trotzdem Gefallen finden, ein in sich schlüssiger Filmmusikbeitrag darf allerdings nicht erwartet werden.

Anspieltipps:

  • Welcome To Burlesque
  • Show Me How You Burlesque
  • Something´s Got A Hold On Me

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