Doro - 25 Years In Rock... And Still Going Strong - Cover
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Doro 25 Years In Rock... And Still Going Strong


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 360 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Man könnte sie in der Tat für den Inbegriff der Peinlichkeit halten: ständig diese deutsch-englischen Ansagen, Auftritte in den zweifelhaftesten Fernsehshows mit noch zweifelhafteren Co-Sängern (Dirk Bach?!?!) und dann diese permanenten Textschwächen bei Songs, die streckenweise schon jahrelang im Programm sind. Trotzdem ist Doro Pesch in der Metal-Szene populärer als je zuvor. Deutschlands Metal-Queen kann sich all die Dinge erlauben, die jüngeren Kollegen nur selten verziehen werden. Verstehen kann man das nur dann, wenn man sie einmal live gesehen hat. Mit jeder Menge Energie und einer sympathischen Ausstrahlung bestreitet sie wirklich jeden Auftritt, als wäre es der wichtigste in ihrem Leben.

Dass man diesen Joker bei einer Live-CD/DVD schwer ausspielen kann, war bereits bei den vergangenen Video-Veröffentlichungen immer wieder zu beobachten. Und auch diesmal will der Funke bei dem wirklich opulent aufgemachten Box-Set (2DVDs + CD + Fotobuch) zu Doros 25-Jährigen Jubiläum nicht so wirklich überspringen. Das liegt weniger an der technischen Umsetzung, die ist nämlich im Gegensatz zum direkten Vorgänger „20 Years A Warrior Soul“ ausgesprochen gelungen. Vielmehr ist es Doro selbst, deren Ausstrahlung auf dem Fernsehschirm einfach nicht rüber kommen will, deren Dauer-Headbanging auf einmal aufgesetzt und jede ihrer Bewegungen auf der Bühne irgendwie einstudiert wirkt.

Und was nützen die beeindruckenden Gäste auf der Bühne, wenn ihre Beiträge zur Show eher entbehrlich bleiben? So unterscheidet sich „Burn It Up“ mit Jean Beauvoir auch diesmal keinen Deut von der altbekannten Live-Version. Und wieso werden zu „Celebrate“ eine ganze Armee von bekannten & hochbegabten Metal-Sängerinnen (u.a. Girlschool, Floor Jansen, Liv Kristine) auf die Bühne gebeten, wenn vom männlichen Background-Chor mehr zu hören ist, als von den – immerhin hübsch anzuschauenden – Damen? Wieso sind Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions zu Gast, die dann doch nur die Gassenhauer „Big City Nights“ und „Rock You Like A Hurrican“ aus dem eigenen Repertoire zum Besten geben, anstelle – wie die anderen Gäste auch – einen oder zwei Doro-Songs zu performen? An dieser Stelle wirkt die Gastgeberin wie eine Statistin im eigenen Film, zumal sie selbst Gesangstechnisch kaum etwas bei diesen Nummern beiträgt.

Doch natürlich gibt es auch Leichtblicke. „Always Live To Win“ gewinnt deutlich durch die Unterstützung von Bobby Blitz (Overkill) und auch Tarja Turunen (Ex-Nightwish) überzeugt beim Duett bei „Walking With The Angels“. Zum Schluss kommt es dann noch zu einer netten, nostalgischen Warlock-Reunion, die mit drei Songs („Fight For Rock“, „Burning The Witches“, „True As Steel“) im Vergleich zum original Konzert leider drastisch gekürzt wurde und somit viel zu kurz ausfällt. Der Rest der Setlist ist recht vorhersehbar, beinhaltet mit Songs wie „I Rule The Ruins“, „Für Immer“, „Metal Tango“ und „Fight“ aber noch eine beeindruckende Ansammlung von alten und neuen Klassikern.

„Etwas zu viel gewollt“ ist es, was dem Zuschauer als Eindruck nach der DVD als erstes in den Sinn kommt. Trotz 26 Songs und einer ganzen Latte an Bonus Material (u.a. zusätzliche live-Performances, Dokus, etc) bleibt am Ende ein etwas zwiespältiger Eindruck. Da helfen keine Riesenhalle, kein opulentes Bühnenbild (das „Warlock“-Maskottchen in Übergröße!) und keine prominenten Gastmusiker, wenn das Ganze nicht sinnvoll unter einen Hut passen will. Umso störender fallen dann Texthänger und völlig unnötige Timing-Schwächen ins Gewicht. Als ob die Band „All We Are“ nicht schon hundert Mal gespielt hätte!

Den im Saal anwesenden Fans aus der ganzen Welt ist das egal: die feiern ordentlich ab. Verdient hat es Doro trotz allem. Man muss den Hut ziehen davor, dass sie einst die männlich dominierte Metal-Welt für das weibliche Geschlecht öffnete. Man muss die zahlreichen Klassiker anerkennen, die sie in all den Jahren geschrieben und gespielt hat. Und zuletzt muss man ihr gratulieren, dass es ihr auch beim Jubiläumskonzert gelang, tausende Fans in ihren Bann zu ziehen.

Anspieltipps:

  • Always Live To Win
  • Celebrate
  • Walking With The Angels
  • Burning The Witches

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