Bloodhound Gang - Show Us Your Hits - Cover
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Bloodhound Gang Show Us Your Hits


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mal eben fünf Jahre Pause zu machen, nachdem man mit dem dritten Album Platin-Status erlangte, ist ja schon gewagt genug. Sich nach der überaus langen Wartezeit dann mit einer auf musikalischer Ebene völlig enttäuschenden Platte voller Füllmaterial zurück zu melden, ist schon etwas dreist. Da die Singleauskopplungen von „Hefty Fine“ (2005) jedoch sinnvoll gewählt waren und die Scheibe trotz ihrer schwachen Gesamtqualität zu einem weiteren Erfolg in der Bandgeschichte machten, leisteten sich die (ganz und gar nicht) feinen Herren von der Bloodhound Gang direkt nochmal fünf Jahre Auszeit. Jawohl, 2010 kommt das zweite Album in zehn (!) Jahren, und es ist lediglich ein „Best Of“, das nur von Deutschland aus vertrieben wird (!?). Übrigens mit einer neuen Version von „Disco Pogo“ als Bonustrack. – Die Atzen featuring Jimmy Pop. Kein Kommentar.

Heutzutage können Teenager, welche damals schon die wichtigsten Abnehmer der Bloodhound Gangschen Ergüsse waren, es sich kaum noch vorstellen, dass dieses Quintett tatsächlich auch auf der Bühne steht und Musikkonzerte gibt. Schließlich haben Jimmy Pop (Gesang) und seine Kumpanen (aktuell ‚The Yin‘ am Schlagzeug, Gitarrist Daniel P. Carter, DJ Q-Ball sowie „Evil“ Jared Hasselhoff am Bass) in den letzten Jahren mit aller pubertären Kraft versucht, sich als die saufenden Skandal-Rüpel schlechthin zu inszenieren (was ihnen auch gelang), statt durch ihre Musik aufzufallen. Vor allem in Deutschland, wo die Band aus nicht ganz erfindlichen Gründen besonders erfolgreich ist, konnte man dies in den Medien verfolgen. Alles in allem kein gutes Omen für die Band-Zukunft.

Möglicherweise Anfang 2011 soll endlich das nächste Studioalbum erscheinen. Jetzt, kurz vorher, wird aber schon mal eine Kompilation der erfolgreichsten Songs der Band vorgeschickt. Zwei LPs innerhalb weniger Monate als Ausgleich für den extrem langen Leerlauf davor? Man muss diese Logik nicht verstehen, vor allem nicht, wenn die Bloodhound Gang dahinter steckt. Jedenfalls konnten sie ja mit der Zusammenstellung ihrer Hits nicht viel falsch machen, zumal es davon tatsächlich einige gibt. „Show Us Your Hits“ – vor allem in Zusammenhang mit dem Coverfoto ein herrlich zweideutiger Albumtitel – lässt den Rezensenten mindestens dreimal hinschauen, um zu merken, dass da auch wirklich „Hits“ und nicht das naheliegende ähnlich klingende Wort steht. Also schon mal ein gelungener Einstieg.

Bei näherer Beschäftigung mit „Show Us Your Hits“ fällt positiv auf, dass man nicht einfach Single an Single reihte, sondern auch nach anderen Kriterien ausgewählt wurde. Zudem liegen die Stücke nicht chronologisch gelistet, sondern buntgemischt vor, was der Tracklist insgesamt einen sowohl frischeren als auch stimmigeren Eindruck verleiht. Der einzige neue Song „Altogether Ooky“ erweist sich als hübscher Opener im typischen Bloodhound Gang-Stil und bringt die Hörerschaft in die richtige Stimmung. Es folgen weitgehend die üblichen Verdächtigen und zu Recht Vertretenen, dabei aber auch die ohne ein zugehöriges Album veröffentlichte Single „Screwing You On The Beach At Night“ – frei nach dem Rezept des Megahits „The Bad Touch“ (die erfolgreichste aller Bloodhound Gang Singles), mit viel 90er-Dancemusic-Charme – und das obwohl das Teil von 2007 ist.

Soweit passt alles zusammen, außer der harte Übergang von „Screwing You On The Beach At Night“ zum deftig rockenden „Along Comes Mary“ (übrigens eine Neuinterpretation eines Hits aus den 60ern). Bei den beiden mittigen und längsten Songs erleidet „Show Us Your Hits“ einen Durchhänger. „No Hard Feelings“ war 2006 zwar auch eine Single, aber aus nachvollziehbaren Gründen keine erfolgreiche. Das überraschend auftauchende „A Lapdance Is So Much Better When The Stripper Is Crying“ hat zwar einen witzigen Titel, aber dahinter verbergen sich nur unmotiviert vorgetragene Schweinereien, untermalt von einer primitiven Kinderliedmelodie. Dafür war es eine brillante Wahl, „Three Point One Four“ mehreren Singles vorzuziehen, denn der selten blöde Refrain brennt sich einfach besonders gut ins (betrunkene) Hirn ein. Erwähnenswert bleibt noch „You’re Pretty When I’m Drunk“, da die Musik ausschließlich aus Mundgeräuschen besteht, während Jimmy Pop in gewohnt versauter Manier seinen Rap darüber legt.

Wenn man sein Niveau nach einigen Hördurchgängen heruntergeschraubt hat, ist „Show Us Your Hits“ letztendlich eine doch ziemlich spaßige und bis auf ein paar Ausnahmen auch sinnvolle Zusammenstellung, mit klarem Schwerpunkt auf das Platin-Album „Hooray For Boobies“ (mit fünf Songs vertreten). Ob der infantile Fäkalhumor der Bloodhound Gang heute noch so gut funktioniert wie vor etwa einer Dekade, ist eine andere Frage. Jetzt hat man jedenfalls einen soliden Zeitvertreib, bis die Jungs zeigen, ob sie das erschreckend magere „Hefty Fine“ mit dem neuen Studioalbum wiedergutmachen können.

Anspieltipps:

  • Altogether Ooky
  • Screwing You On The Beach At Night
  • Foxtrot Uniform Charlie Kilo
  • The Ballad Of Chasey Lain
  • Three Point One Four

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