Ryan Adams - III/IV - Cover
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Ryan Adams III/IV


  • Label: Paxam Records
  • Laufzeit: 66 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ryan Adams, ein notorisches Arbeitstier, immer musikalischen Output produzierend, sollte vielleicht mal innehalten.

Der stets umtriebige Ryan Adams holt sich nach seinem Metal-Ausflug seine Cardinals ins New Yorker Studio, um in fruchtbarem Doppelvinyl die Alben drei und vier einzuspielen, pointierterweise „III/IV“ genannt, und verrennt sich in mehrheitlich unspannenden Radiorock. Die Fraktionen beim Barden mit Rebellion und Gefühl sind ohnehin klar aufgeteilt. Entweder man steht auf seine minimalistischen, traurigen und Schmerz verarbeitenden und damit tendenziell wehleidigen Singer/Songwriter-Alben oder man mag den Ryan Adams mit Lederjacke und Alkoholproblem, der mit seinen Cardinals die Bühne rockt, gerne alles kurz und klein haut oder auch mal zu früh abhaut.

Die E-Gitarren wurden wohl gestimmt auf „III/IV“, aber Ryan Adams, dessen Songstruktur immer schon mehr von Spontaneität, Simplizität und Eingängigkeit gezehrt hat, als von geplanter Komplexität oder eingehender Konzeption, scheint langsam aber sicher nichts Neues mehr einzufallen. Zum Problem des Aufgussalarms gesellt sich ein ausgedehnteres Gefühl der melodiösen Langweile. Schunkel-Dum-Di-Du-Schablonen passen auf erstaunlich viele der zahlreichen Songs auf „III/IV“, obwohl, und gerade das ist eigentlich schmerzlich, es vom Prinzip her ein gutes, altes Rock-Album ist. So schunkeln wir wortwörtlich von Momenten kernigen Rocks zu ausladender Gefühlsduselei mit entsprechender Refrain-Endlosschleife. „Ultraviolet Light“ oder „Stop Playing With My Heart“ stehen lediglich repräsentativ für Rock mit Weichspülerkraft, die leider Bon Jovi in nichts nachsteht. Demgegenüber überraschen dann aber auch Verzweigungen wie „Kisses Start Wars“, „Numbers“ oder „Icebreaker“, die letzteren beiden am Anfang des vierten Studioteils mit den Cardinals platziert, welches noch die besten Ideen des Doppelalbums vereint, mit grobfasrigen, punkigen Hardrock, die wieder in Erinnerung rufen, dass Ryan Adams mal in New Yorker Punkbands gespielt hat und woher all seine Tattoos kommen.

Insgesamt jedoch stehen die guten Stücke unvereinbar den belanglosen gegenüber, will sich keine echte Geschlossenheit über „III/IV“ legen, außer das man vielerlei Ideen hatte und alle möglichst spontan umzusetzen versuchte. So vieles könnte weg, so vieles tiefer ausgearbeitet sein. Ryan Adams, ein notorisches Arbeitstier, immer musikalischen Output produzierend, sollte vielleicht mal innehalten. Und sich mit ein wenig Abstand sein durchaus beeindruckendes Oeuvre bis dato genügsam anschauen. Dann jedenfalls, so die Hoffnung, könnte ihm klar werden, dass das Meiste auf „III/IV“ im Grunde entbehrlicher Soft-Rock ist und es mal wieder Zeit wird für entweder ein neues, intimes „Heartbreaker“ oder ein tatsächlich wild rockendes „Rock’n’Roll“. Alles andere jedenfalls, auch seltsame Metal-Ausflüge, scheinen wir von Ryan Adams nicht mehr zu brauchen.

Anspieltipps:

  • Icebreaker
  • Numbers
  • Kisses Start Wars

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