Cake - Showroom Of Compassion - Cover
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Cake Showroom Of Compassion


  • Label: ADA Global/WEA
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn der Kuchen spricht, dann haben die Krümel Pause! Da der Kuchen in Form eines regulären Studioalbums zuletzt vor knapp sieben Jahren gesprochen hat, gibt es Grund genug, ihn mal ausreden zu lassen. Sieben Jahre sind eine lange Zeit im Musikkosmos, doch der Zahn der Zeit ist an Cake praktisch spurlos vorbei gezogen. Das hört sich zunächst genauso an, wie man die Band in Erinnerung hat. Wiedererkennungswert: satte einhundert Prozent. Während die Kalifornier trotz einiger „Floorfiller“ in Indie-Diskotheken und des Bestandteils am Soundtrack zum erfolgreichen Film „Herr Lehmann“ hierzulande auf den Geheimtipp-Status abonniert sind, so sieht die Sache in der amerikanischen Heimat ein wenig anders aus. Dort ist „Showroom Of Compassion“ mal gleich auf Nr. 1 der Billboard-Charts eingestiegen.

Die Diskussion, mit wie viel verkauften Alben man heutzutage bereits eine Nummer 1 schaffen kann, lassen wir hier mal außen vor. Nur so viel: Von „Showroom of Compassion“ verkauften sich bisher deutlich weniger Kopien, als von früheren Cake-Veröffentlichungen, die in den Charts deutlich schlechter eingestiegen sind. Wie dem auch sei: Wenn nun auf Platz 1 wirklich immer das Beste vom Besten zu finden sein sollte, dann geht es schon in Ordnung, dass Cake sich in Deutschland doch recht weit weg von Top-Chart-Positionen bewegen. Doch wir wissen es ja besser. Die Charts werden – Verkaufzahlen hin oder her – nur allzu oft von unnötigen Luftnummern angeführt, und so wäre eine von „Cake“ angeführte Chartliste auch in Deutschland eigentlich auch wieder was Gutes. Das Quintett um John McCrea gehört nämlich auf jeden Fall zu den lässigeren Vertretern der Rockmusik.

Mit dem aktuellen Album richtet sich die Band offensichtlich dauerhaft im Bermudadreieck zwischen „Calexico“, „Ween“ und „Beck Hansen“ ein. Die Trompete trällert wie gehabt, Gitarre und Drums verleiten zum Dauerkopfnicken, der Gesang ist markant wie eh und je und natürlich sind auch die Texte gewohnt schräg. Was sich zunächst gut anhört, ist jedoch beim genaueren Hinhören nur selten gut genug. Dabei geht es mit dem Opener „Federal Funding“ durchaus stark los und es finden sich auch andere Nummern, die was können und daran erinnern, warum „Cake“ einen Sympathievorschuss bekommen („Sick Of You“, „Mustache Man“ oder „Easy To Crash“).

Leider gibt es jedoch auch zu viel Durchschnittsware und potenzielle Hintergundmusik. „Got to Move“ wird von einer 08/15-Melodie getragen, die man schon tausendmal gehört hat, auch wenn man gerade nicht drauf kommt wo genau noch mal. Das walzerkompatible„Bound Away“, das irgendwo zwischen Irish Pub und Scheunenfest entstanden sein muss, ist zwar zunächst schon irgendwie lustig, aber ob man das jetzt länger als zwei Minuten braucht und überhaupt öfter hören muss, ist eine andere Frage. Dann ist da noch die Sache mit den Kommandos und Einsatzrufen der Musiker, die im Hintergrund öfter zu hören sind. Nichts dagegen, wenn bei den Aufnahmen die Studioatmosphäre oder gar eine Livesession eingefangen wird. Im Gegenteil. Aber wenn man das in dieser Form bei jedem zweiten Song hört, dann ist das doch zu viel des Guten.

Man möchte „Cake“ ja lieb haben, insbesondere weil klar ist, dass die Band sich selbst am wenigsten ernst nimmt. So richtig böse muss man auf Grund von „Showroom of Compassion“ sicherlich nicht sein, aber mit der großen Liebe wird es so auch schwierig.

Anspieltipps:

  • Federal Funding
  • Sick Of You
  • Easy To Crash
  • Mustache Man (Wasted)

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