The Decemberists - The King Is Dead - Cover
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The Decemberists The King Is Dead


  • Label: Beggars/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Januar 2011. In den letzten Wochen hat der Winter sich hierzulande von seiner hartnäckigen Seite gezeigt. Zwar ist es nun ein wenig wärmer, aber immer noch ungemütlich genug. Hinzu kommt die Befürchtung, dass der Winter in den nächsten und Wochen ja noch genügend Raum hat, ein Comeback zu starten. Schön ist das nicht, doch der passende Soundtrack kann eine solche Stimmung ein Stück weit ausgleichen und vergessen machen. Da kommen „The Decemberists“ mit ihrem sechsten Album „The King Is Dead“ gerade recht.

Der astreine und dabei überhaupt nicht peinlich-klischeebeladene Country-Folk-Rock, der hier aus den Boxen schallt, transportiert ohne Umwege spätsommerliche Stimmungslagen. Auch wenn man vielleicht noch nie da war, so stellt sich doch eine gewisse US-Südstaaten-Landleben-Romantik ein. Gut, wir wissen schon, dass die Band ihr Hauptquartier in Portland und somit im Nordwesten der USA hat. Das soll das Country-Folk-Ehtos aber nicht schmälern. Im Gegenteil: Man hat sprichwörtlich die Nähe zum Landleben gesucht und die Platte konsequenter Weise in einer umgebauten Scheune auf einer Farm eingespielt und dabei die großen konzeptionellen Entwürfe der Vergangenheit einfach mal über Bord geworfen.

Das Ergebnis sind zehn schlichte und tolle Songs, die keine ausufernde Spielzeit brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten. Reduktion heißt hier das Stichwort, und zwar inhaltlich und musikalisch, was wiederum nicht etwa auf Kosten des vielseitigen Instrumenteneinsatzes geht. Gitarre, Mundharmonika, Akkordeon, Piano, Violine, Mandoline etc. – alles da. Von allem aber nur so viel wie nötig. Dazu reizende Gesangsmelodien und ein Colin Meloy, der auf sieben Songs wunderbar von der Country-Größe Gillian Welch am Mikro unterstützt wird. Weitere prominente Hilfe kommt übrigens Peter Buck, dessen Hauptarbeitgeber R.E.M. von den Decemberists unverholen als eine Inspirationsquelle für den neuen Silberling aufgeführt wird. Mr. Buck selbst hilft an den Saiten auf den Songs „Down By The Water“, „Calamity Song“ und „Don’t Carry It All“ aus.

Es sind noch knapp fünf Monate bis zum meteorologischen Sommeranfang. Mit „The King Is Dead“ im CD-Player wird diese Zeit spielend überbrückt. Lautstärkeregler ein wenig hochdrehen und mit gedanklichem Grashalm im Mundwinkel im imaginären Schaukelstuhl auf der nicht vorhandenen Veranda gemütlich machen und dann mit dem echten Fuß wippen und sich ganz real ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern lassen. Es kann so einfach sein.

Anspieltipps:

  • Down By The Water
  • June hymn
  • Don’t carry it all
  • This is why we fight

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