Navel - Neo Noir - Cover
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Navel Neo Noir


  • Label: Nois-O-Lution/INDIGO
  • Laufzeit: 76 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Neo Noir“ gibt es ein kleines Rockmonster, das häufig nach 1990 klingt.

Dass Navel nicht unbedingt die musikalischen Frohnaturen der ersten Klasse sind, kann man bereits erahnen, bevor man auch nur einen Ton des schweizerischen Trios gehört hat. Der Albumtitel „Neo Noir“ und das gelungene, düstere Coverartwork sind bereits eine klare Ansage. In Schatten gehüllt, ist da ein halbverwaistes Venedig in bedrückender Atmosphäre zu erahnen.

Hier sind nicht gute Laune und Partystimmung die Triebfedern des musikalischen Schaffens, sondern eher Zweifel, Missmut und Schmerz, die als gelegentlich feedbacklastiger Kellerrock verabreicht werden. Man mag darüber lamentieren, dass es unsinnig ist, ständig Vergleiche für Bands zu suchen, doch der Mensch denkt quasi immer und überall in Vergleichen. Manchmal bewusst, häufig unbewusst. Navel selbst haben keine Angst, ihre musikalischen Wurzeln offen zu legen und so trauen wir uns auch mutig an Vergleiche heran. Die deutlichste Referenz bei Navel ist der „Seattle Sound“, Grunge, oder wie auch immer man die Ende der 1980er / Anfang 1990er Jahre im Nordwesten der USA zu beobachtende „Rockrevolution“ nennen möchte. Navel machen dabei eine entscheidende Sache richtig. Sie konzentrieren sich nämlich auf die Authentizität und Verletzlichkeit des Sounds und nicht etwa auf das kommerzielle Potenzial und Marketingeffekte.

Vor einigen Jahren gab es mit Creed, Puddle Of Mud, Nickelback etc. schon einmal eine größere Welle an Neuinterpretationen von Seattle und Co. Wenngleich die Versuche bei den genannten Bands wirtschaftlich zwar äußerst erfolgreich waren, so bleibt musikalisch eher der Eindruck von Belanglosigkeit und einer gewissen Oberflächlichkeit. Zog es die einen Richtung Stadion und Charts, so vermitteln Navel eher die Ambition Clubbühne und Herzblut. Für den Kontostand möglicherweise die unattraktivere Alternative, aber musikalisch in diesem Fall eindeutig spannender. In der Live-Situation kann man sich davon übrigens auch gut überzeugen, denn hier wird klar, dass sie es ernst meinen.

Mit „Neo Noir“ gibt es ein kleines Rockmonster, das häufig nach 1990 klingt, aber auch 2011 seinen Platz hat. Bei „Can’t Feel A Thing“ stampft einem ein trockener Drum-Sound entgegen, der von einem Feedbackgetöse, verzerrtem Bass und verzerrtem Gesang, bzw. Genöle aufgegriffen wird. Man gibt sich erst überhaupt keine Mühe, einen allzu leichten Einstieg anzubieten und kostet den Spaß auch gleich volle fünf Minuten aus. Herzlich willkommen! Es geht weiter mit möglicherweise zunächst unscheinbaren Rocknummern, die mit mal mehr und mal weniger Tempo aus den Boxen strömen und dabei zumeist von ihrem Understatement profitieren. Hier gibt es keine großen Gesten, sondern versteckte Perlen. „Acid Queen“ ist bspw. eine bedrohliche Nummer, die sich langsam aufbaut um den Hörer nach guten 3:30 Minuten nahezu unbemerkt einzunehmen. Navel können jedoch auch vergleichsweise eingängig, wie sie „It’s The Road That Makes The Song“ oder „Free Land“ beweisen. Dabei bleiben sie jedoch konsequent jenseits von breiter Radiotauglichkeit. Man scheut sich auch nicht, am Albumende nach ca. 12 Minuten noch einen Hidden-Track mitzuliefern, der wie eine verschollene Session von Blind Melon klingt.

Neben 12 Eigenkompositionen gibt es auch zwei Coverversionen. Zum einen „Hunger Child Blues“ und Neil Youngs „Rockin’ In The Free World“. Letzteres gehört ja übrigens auch seit langem zum festen Live-Repertoire der Grunge-Überlebenden von Pearl Jam. Wobei Navel sicherlich weniger die neuen Pearl Jam sind, als vielmehr die Schweizer Antwort auf Mudhoney.

Anspieltipps:

  • Acid Queen
  • Free Land
  • Blues On My Side
  • Come Into My Mind

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