Beatsteaks - Boombox - Cover
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Beatsteaks Boombox


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 33 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Geschmackspolizisten gibt es ja immer, doch bei den Beatsteaks sind sie zum Glück in der Minderheit.

Was bisher geschah: Mitte der Neunziger gegründet ließen die Beatsteaks in Szenekreisen schnell aufhorchen und erarbeiteten sich von Album zu Album mehr Aufmerksamkeit und Erfolg. Das Drittwerk „Living Targets“ und insbesondere die beiden Songs „Summer“ und „Let Me In“ ließen dann schon erahnen, was noch folgen sollte. Mit dem 2004er Werk „Smack Smash“ sicherte sich die Band hierzulande einen bleibenden Platz an der Punkrocksonne, den sie mit dem bis dato letzen Studioalbum „Limboh Messiah“ erfolgreich verteidigen und ausbauen konnte.

Geschmackspolizisten gibt es ja immer, doch bei den Beatsteaks sind sie zum Glück in der Minderheit und eigentlich waren und sind sich die meisten schön einig: die fünf Sympathiebolzen aus Berlin haben den Erfolg verdient! Das bisher letzte Lebenszeichen in Form eines Tonträgers gab es dann 2008 als Zeugnis der bestechenden Bühnenqualitäten mit dem Livealbum „Kanonen auf Spatzen“. Dann war erst mal große Funkstille. Vier Jahre zwischen zwei Studioalben. So viel Auszeit war bei den Beatsteaks noch nie. Den einen oder anderen Anhänger beschlich da schon irgendwann ein mulmiges Gefühl, ob das „nur“ eine kreative Auszeit war.

Und nun? Die Beatsteaks sind endlich zurück und der Beweis dafür heißt „Boombox“. Wie sieht die Beatwelt 2011 aus? Der erste Durchlauf der Vorabsingle „Milk & Honey“ wie auch des gesamten Albums hinterlässt erst einmal freundliches Schulterzucken. Die 33 Minuten rauschen an einem vorbei und so wahnsinnig viel bleibt erst einmal nicht hängen. Da sind zwei Ska-Nummern („Let’s See“ und „Automatic“) und eine kurz gehaltenes old-schooliges Punkbrett („Beahviour“) inklusive „Faust-in-die-Luft-streck-Chor“, von dem man zunächst nicht unbedingt weiß, ob die Welt darauf gewartet hat. Ansonsten viel Mid-Tempo-Rock, der erst einmal nicht allzu spektakulär wirkt. Doch keine Angst, die Zurückhaltung verfliegt nach wenigen Hördurchgängen. Die Beatsteaks können es noch und erweisen sich mal wieder als verlässliche Truppe.

Die Klasse der Vorgänger wird zwar knapp verfehlt, aber das ist jetzt Jammern auf sehr hohem Niveau. Mit dem polternden „Fix It“, dem tollen „Bullets From Another Dimension“ und auch „Access Adrenalin“ werden gar drei Songs abgeliefert, die mit zu dem besten gehören, was es aus dem Hause der Beatsteaks bisher zu hören gab. Doch auch „House On Fire“ ist ein unaufdringlicher Song, der sich fast unbemerkt in der persönlichen Playlist nach oben mogelt. „Under A Clear Blue Sky“ mit seinem ausholenden Refrain sollte man mal über den Teich zu Händen von Dave Grohl schicken. So dürften die zuletzt leicht schwächelnden Foo Fighters auch gerne mal wieder klingen. Stattdessen zeigen die heimischen Beatsteaks mal wieder wo der Hammer hängt. Recht so.

Im siebzehnten Jahr des Bestehens und nach vier Jahren Pause ist es mit den Beatsteaks ein wenig so wie mit guten alten Freunden, die man eine Weile nicht gesehen hat. Man denkt immer mal wieder aneinander und wenn man sich dann sieht, schwelgt man gern in Erinnerungen an fantastische alte Zeiten, genießt aber trotzdem die Gegenwart und freut sich ebenso auf die gemeinsame Zukunft. „You’ll be fine, I guarantee.“

Anspieltipps:

  • Fix It
  • Bullet From Another Dimension
  • Access Adrenalin
  • Behaviour
  • House On Fire

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