Belphegor - Blood Magick Necromance - Cover
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Belphegor Blood Magick Necromance


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Zuerst die Legion der Verdammten und jetzt auch noch Belphegor. Hat Andy Classen (Asphyx, Dew-Scented, Die Apokalyptischen Reiter) irgendjemand ans Bein gepinkelt oder ist es schlichtweg Zufall, dass der Deutsche in kürzester Zeit zwei seiner Klienten an Peter Tägtgren (Hypocrisy, Pain, Therion, Celtic Frost) verloren hat? Wie dem auch sei, für „Descent into chaos“ (01/2011) der niederländischen Deathtrasher war diese Kollaboration ohnehin nur bedingt nützlich, denn vorrangig entscheidet das vorgelegte Material und nicht ausschließlich der arschtretende Sound, was besonders im Falle von „Blood magick necromance“, der neunten Langrille von Helmuth (Gesang, Gitarre) und seinen dämonischen Spießgesellen (Bernth (Gitarre), Serpenth (Bass) und Marthyn am Schlagzeug) zum Tragen kommt.

Bei den Österreichern ist nämlich gar nicht so wichtig, ob der Klang der Doublebass höchsten audiophilen Bedürfnissen entspricht oder wie aus dem Keller aufgenommen klingt, denn eigentlich kann auch eine weniger passable Abmischung den richtigen Charme und eine ganz eigene Atmosphäre versprühen. Dieses Mal ist diese Frage aber hinfällig, denn „Blood magick necromance“ wurde im The Abyss-Studio ordentlich hergerichtet und ist klangtechnisch über jeden Zweifel erhaben: Die Gitarren sägen sich ins Fleisch, die Schlagzeugpartien zertrümmern sämtliche Knochen und Helmuths abartiges wie einzigartiges Organ ist mit jeder Silbe eine infernalische Wohltat. Genau aus diesen Eckpfeilern besteht dann auch sogleich der wuchtige Opener „In blood - devour this sanctity“, der mit dezent klassischer Note im Rutenbündel (Johannes Brahms „Ungarischer Tanz Nr. 1“ darf als Riff herhalten) den diesjährigen Perchtenlauf Belphegors gnadenlos gut einläutet.

In epische Gefilde treibt es die Alpenländler anschließend mit „Rise to fall and fall to rise“, das im getragenen Midtempo eine hervorragende Figur macht und den roten Teppich für den Titeltrack ausrollt, der sich mit seinem Höher-Schneller-Weiter-Gestus als großer Bruder seines Vorgängers entpuppt und nach zweiminütiger Einleitung keinen Stein auf dem anderen lässt. Helmuth gurgelt aus den Niederungen der Hölle, die schwarzmetallische Instrumentenfraktion donnert aus den Boxen, als ob es kein Morgen gäbe und gemeinsam mit chorähnlicher Unterstützung im Refrain verspricht diese Nummer Gänsehaut pur. Wenn es jemals einen Dimmu Borgir-Moment auf einem Belphegor-Album gab, hier ist er! Wie das dämonische Viererpack das toppen will? Mit „Discipline through punishment“, einer drückend-schwülen, in deutsch-englisch gehaltenen Perversität („Der Rosenkranz im Arsch, mit Kot getauft“), wie sie die Österreicher schon mehrmals auf ihren Alben unterzubringen wussten.

„Angeli mortis de profundis“ mischt sich prügelnd und brandschatzend dazwischen, bleibt damit aber eindeutig ein rücksichtsloser Lückenfüller, während „Impaled upon the tongue of Sathan“ und „Possessed burning eyes“ trotz gelegentlicher temporeicher Ausraster eher dem mittleren Geschwindigkeitsbereich frönen, bis „Sado messiah“ endgültig die Bremsschläusche durchschneidet und in dunkelschwarzer Kutte mit Mach 3 über die Zielgerade brettert. Somit ist es vollbracht: Belphegor sind der krisensicherste Export aus Österreich und bleiben die zarteste Versuchung seit es in Black Metal getauftes Todesblei gibt. Belphegor mag man eben!

Anspieltipps:

  • Sado Messiah
  • Blood Magick Necromance
  • Discipline Through Punishment
  • In Blood - Devour This Sanctity

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