Caracho - Die Jagd Beginnt - Cover
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Caracho Die Jagd Beginnt


  • Label: One Eyed Charlie
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„So schlecht, dass es schon wieder gut ist“, wie oft durfte man in den letzten Jahren diese fatalen Worte vernehmen. Nicht selten war es eine Entschuldigung für fehlendes Talent. Wirklich rar sind die Bands, die auch nach dem ersten Lacher noch Substanz bieten. Wo sind die Goldenen Zitronen oder Deichkinds dieser Republik? The T.C.H.I.K. haben sich letztes Jahr an der noch neueren deutschen Welle versucht und in den Augen vieler nicht gescheitert. Dass es sich dabei jedoch nur um ein Strohfeuer handelte, zeigt die fehlende Nachwirkung dieser Band. Natürlich war textlich viel Wahrheit dahinter und das proletenhafte 16-jährige Mädchen, das auf diesem Album porträtiert wurde, war zum Greifen nah, aber musikalisch einfach nur bescheiden unterlegt. Einen gewissen Grad an musikalischem Gespür muss man schon vorweisen, ansonsten würden auch „Limit“ und „Remmi Demmi (Yippie Yippie Yeah)“ der Deichkinder heute nicht mehr gespielt werden. Caracho wollen auch auf diesem schmalen, aber zumindest kurzweilig erfolgreichen Grad balancieren und haben einen ganzen Packen voller Lebensweisheiten über Facebook, Entscheidungsunlust und die beliebteste Zeitung Deutschlands dabei.

Tanzbar geben sich Caracho vom ersten Moment an. „Eigentlich“ wird nicht wenige auf die Tanzfläche locken und textlich gesehen würde mein alter Deutschlehrer vor Freude mitmachen. Der Hass auf das herrlich unpräzise Wort „Eigentlich“ ist gut kanalisiert und entbehrt sich lediglich der Mitsing-Ader. Überhaupt probiert die Band sich mit Beats der Marke The Prodigy. „Gib Dem Affen Zucker“ und „Die Stadt Brennt“ sind musikalisch gelungene Ausflüge, die allerdings den letzten Funken vermissen lassen. Das Elektrogequietsche, welches auf „Invaders Must Die“ die Ohrwürmer ausmachte sucht man in dieser Art vergebens. Bei Caracho zünden diese Ideen nicht ganz so, obwohl Liedern wie „Ich Mag Tiere“ Potenzial kaum abzusprechen ist.

Überraschungen halten sich in Grenzen auf diesem Album. Entweder bekommt man tanzbares Elektrogewummer (nicht negativ gemeint) oder quere Ansätze, die die Spaßstücke darstellen sollen („Ich Bin Weg“). Allein „Bild Dir Meine Meinung“ als Piano-Rock ist ein Lied, das absolut ohne Zusammenhang auftaucht, ein paar sinnfreie Zeilen bietet und dann auch wieder ganz schnell verschwindet. Nette Überraschung, aber Schwachsinn mit Hohlsinn bekämpfen klappt nicht immer. Dann lieber die Kritik in den Folgestücken (allen voran „Verschwende Dich“). „Nicht Gut Aber Laut“ dürfte jeden nüchternen Disco/Club-Besucher erfreuen und auch alle Besucher mit Galgenhumor werden hierzu die Tanzfläche stürmen. Letzten Endes wird dieser Restanteil an Ernsthaftigkeit jedoch dafür sorgen, dass diese Musik nicht langfristig erfolgreich sein wird. Aber wahrscheinlich soll sie das auch gar nicht. „Die Jagd Beginnt“ ist vielmehr eine durchzechte Nacht in deutschen Großstädten. Musikalisch fehlt jedoch der Feinschliff und gleichzeitig fehlt es an Mitsingbarkeit für die betrunkenen Massen, für die diese Musik wohl sein soll.

Anspieltipps:

  • Eigentlich
  • Die Jagd Beginnt
  • Verschwende Dich

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