Fujiya & Miyagi - Ventriloquizzing - Cover
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Fujiya & Miyagi Ventriloquizzing


  • Label: Full Time Hobby/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Fujiya & Miyagi verzetteln sich nicht selten zwischen Anspruch und Realität.

Ohnehin schon mit ihren vorigen drei Alben schwer einzuordnen, legt die UK-Formation Fujiya & Miyagi mit dem schwergewichtigen, dunklen Longplayer „Ventriloquizzing“ im Namen von Krautrock meets Funk meets Wave-Pop in quasi genre-loser Form nach und festigt ihren Ruf als Tanzende zwischen den Welten. Das Werk lebt von seiner erdrückenden Schwere und tanzbaren Leichtigkeit gleichermaßen. Analoge Synthesizer, wie der frühen Kraftwerk-Zeit entliehen, schimmern durch Mark und Bein dringend in Neon sowie Graustufen, deren Gegensätzlichkeiten auf „Ventriloquizzing“ eben keine sind.

Der pulsierende Basslauf bei „Tinsel & Glitter“, der stramme Schlagzeug-Beat und die majestätische Grabesstimme von Sänger/Gitarrist David Best haben dann doch einen zu zwingenden Groove, als das sie beim oft schwermütig tönenden Ausdruck der vierten Scheibe aus dem Hause Fujiya & Miyagi einhaken. Auch die flirrenden Synthesizer im Titelstück sind mehr Weltall als Friedhof, doch so manches Mal wird der Hörer zwischen den Stühlen eher stehen gelassen als ihn, wie es die Briten naturgemäß besser verstehen, in Bewegung zu setzen. Das geht ja durchaus ebenso zwischen den Stühlen, mögen sie noch so eng beieinander stehen. Leider geht dem Quartett auf halber Strecke oft die Beat-Puste aus und so strandet die Platte zu oft im dunklen Krautrock-Gewölbe.

Fujiya & Miyagi kommen auf ihrem aktuellen Langspieler zwar mit einem durchdachten Ansatz daher, sie verzetteln sich jedoch nicht selten zwischen Anspruch und Realität. Als Vorgabe galt, etwas völlig Losgelöstes vom bisherigen Schaffen zu kreieren, was durchaus lohnenswert ist. Man hätte sich trotzdem mehr Neon (wie auf dem Cover) als Schatten gewünscht, denn so tapert „Ventriloquizzing“ im undurchsichtigen Gestrüpp als primär am Groove zu zündeln. An zündenden Momenten mangelt es freilich nicht, doch die gewohnte Spielfreude, in Person dieses Mal der Funk, übt sich in Zurückhaltung, was Tempo nimmt und die Hörfreude schließlich trübt.

Anspieltipps:

  • Sixteen Shades Of Black & Blue
  • Cat Got Your Tongue
  • Taiwanese Boots
  • Tinsel & Glitter

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