Architects - The Here And Now - Cover
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Architects The Here And Now


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Als die Herren Architekten Sam Carter (Gesang), Tom Searle (Gitarre), Tim Hillier-Brook (Gitarre), Alex Dean (Bass) und Dan Searle (Schlagzeug) im Zuge der Promotion ihres letzten Albums „Hollow crown“ (02/2009) gemeinsam mit Parkway Drive und Carnifex die European Altamont Never Say Die-Tour unsicher machten, hinterließ vor allem Shouter Carter einen nachhaltigen Eindruck. In ein neonfarbenes T-Shirt gehüllt wirkte der Anfangszwanziger wie eine hüpfende Konfettischlange auf einer Corpsepaint-Veranstaltung, zerschmetterte durch seine waghalsigen Kreischattacken jedoch umgehend sämtliche Zweifel an seiner Daseinsberechtigung. Ähnlich verhält es sich nun mit dem vierten Output, „The here and now“, der nach dem zappeligen und unkontrolliert nach allen Seiten ausbrechenden Vorgänger eine gänzlich andere Richtung einschlägt und sich ansatzweise den Vorwurf der Kommerzanbiederung gefallen lassen muss.

„Wir hatten die Nase voll, alles fiel uns auf die Nerven. Wir wollten die Band ad acta
legen und einfach nur nach Hause. Irgendwann saßen wir Backstage herum und uns wurde von einem Augenblick auf den anderen eines sonnenklar: Shit, wir haben großes Glück, wir leben unsere Träume und sollten eigentlich Freude und Spaß daran haben. Tom sagte, wir sollten im Hier und Jetzt leben und jeden einzelnen Tag genießen. Dieser Kommentar ergab für uns alle Sinn. Wir wussten plötzlich, dass wir endlich erwachsen werden mussten. Wir sollten aufhören, uns darüber zu beschweren, was wir gerade nicht hatten und uns stattdessen über die Dinge freuen, die wir hatten. Uns war der Spaß an der Band vergangen – dabei waren wir in Amerika. Fünf Freunde, die zusammen lachen und das tun, was sie lieben.“ hört man zum Release des wohl positiv gestimmtesten Albums einer Metalcore-Truppe der letzten fünf Jahre. Kritik am sozialen System, Aufzeigen politischer Missstände oder das Anprangern emotionsloser Anzug-und-Schlipsträger ist einem weltumarmenden Carpe diem-Motiv gewichen. Allerdings: Nie klang die Beschränkung auf das Hier und Jetzt schöner und durchdachter!

Egal ob sie nun in zackige Metalcorekompositionen („Day in day out“), drückende Stadionrockprügel mit großen Gesten, die dir in einem unbeobachteten Moment den Postcore-Dolch in den Rücken rammen („Learn to live“), punkigen Ausreißern („Delete, rewind“, „BTN“, „The blues“), verzweifelten Halbballaden („An open letter to myself“), bittersüße Thrice-Melancholie („Red eyes“) oder gewagte Popexkurse („Heartburn“) verpackt wurde, ihre Durchtriebenheit haben sich die Engländer beibehalten wie z.B. das aus mehreren Puzzlestücken (Punk, Metalcore, Emo, Postcore) zusammengefügte „Stay young forever“ oder der mit einem Gastauftritt von Greg Puciato (Dillinger Escape Plan) gesegnete Brecher „Year in year out“ eindrucksvoll beweist. „The here and now“ ist gerade deswegen nicht nur ein schlichtes Album über die neuen Denkschemen im Architects-Kosmos geworden, sondern zeugt von der Eigenständigkeit der fünf Brightoner, die sich hiermit endgültig aus dem Schatten ähnlich gelagerter Gruppierungen (vor allem Bring Me The Horizon) lösen können.

Anspieltipps:

  • Heartburn
  • Learn To Live
  • Stay Young Forever
  • An Open Letter To Myself

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