Sirenia - The Enigma Of Life - Cover
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Sirenia The Enigma Of Life


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Vertonte Selbstgefälligkeit, wie sie uninspirierter nicht sein kann.

An anderer Stelle kann über Sirenia, eines von derzeit zwei Projekten Morten Velands (Gitarre, Gesang, Bass, Keyboard, Schlagzeug, Elektronik), gelesen werden, dass es schade ist, das der Female Fronted Metal des Norwegers noch nicht zur Elite des Genres gehört. Wir sagen: Gut so! Sirenias fünfter Longplayer „The enigma of life“, der bereits den zweiten mit der neuen Sängerin Ailyn darstellt, ist nämlich erneut wie seine Vorgänger von vorne bis hinten am Reißbrett entworfen, unglaublich unspannend und betritt dabei sogar eine neue Stufe der Vorhersehbarkeit. Wo „Nine destinies and a downfall“ (03/2007) mit Monika Pedersen am Mikrophon zumindest noch gelegentlich Eier in der Hose hatte und gerne etwas stürmischer ans Werk ging und „The 13th floor“ (01/2009) als weitläufiger Laborversuch mit der spanischen Ablöse noch nicht vollends an das zarte Stimmchen Ailyns angepasst war, ist „The enigma of life“ einfach nur mehr ein einziges Ärgernis. Innovationen sind im Gothic/Symphonic Metal zwar schon seit Jahren tabu, aber Veland erreicht hier einen neuen, radikalen Tiefpunkt, der Durchschnittsware wie Meisterwerke aussehen lässt.

Doch was genau ist so verkehrt am „Rätsel des Lebens“? Die größtenteils künstlichen Arrangements sind genretypisch schwermütig, wenn auch mit übermäßig-bombastischem Zuckerguß versehen, Ailyns Stimmfarbe ist limitiert auf Melancholie, Trauer und Betroffenheit, doch immerhin hübsch anzuhören und die Produktion ist stets satt und kräftig. Kurzum: In einzelne Bausteine aufgespalten ist „The enigma of life“ gar nicht so übel. Schlimm wird es erst, wenn Veland alles in einen Topf wirft und einmal kräftig umrührt, denn dann bleibt am Ende der immergleiche Aufbau (Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, instrumentales Solo / lateinischer Chor, Refrain, Ende), der abgesehen von „The end of it all“, „This lonely lake“ und dem balladesken Titeltrack absolut keine Ausnahmen kennt. Variationen innerhalb eines Songs sind minimal und angesichts der vorherrschenden Midtempo-Ausrichtung der Stücke weiß man schon bei der zweiten Umdrehung gar nicht mehr welches Lied denn nun gerade aus den Boxen plätschert.

Morten will mit Sirenia hoch hinaus, dass demonstriert er dem Hörer in jeder Sekunde seiner Schema F-Gothic Metalkompositionen: Egal ob er dafür selbst ein paar Mal ins Mikro grunzt (z.B. in „The end of it all“ oder „This darkness“), ultracoole Beats auf seinem Keyboard oder aus dem PC zaubert („All my dreams“, „The twilight in your eyes“) oder den Finger, jederzeit einsatzbereit, stets auf den Knopf mit der Aufschrift „Bombast“ hält, „The enigma of life“ ist vertonte Selbstgefälligkeit, wie sie uninspirierter nicht sein könnte.

Anspieltipps:

  • Winter Land
  • This Lonely Lake
  • Darkened Days To Come

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