Stratovarius - Elysium - Cover
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Stratovarius Elysium


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Unterm Strich ist „Elysium“ eine mittelschwere Enttäuschung!

Stratovarius sind auch im 27. Jahr ihres Bestehens nicht klein zu kriegen. „Elysium“ ist das bereits 13. Studioalbum der finnischen Power Metaller und nachdem Timo Kotipelto (Gesang), Matias Kupiainen (Gitarre), Lauri Porra (Bass), Jens Johansson (Keyboard) und Jörg Michael (Schlagzeug) trotz mittelmäßiger Scheiben immer wieder für einen Spitzenplatz in den Charts in ihrem Heimatland gut sind (der Vorgänger „Polaris“ (05/2009) ist das bereits vierte Album, das in Finnland in den Top 3 gastierte), wird es wohl weiterhin regelmäßiges Material der Stradicasters geben.

Um Gefallen am neuesten Wurf zu finden, muss allerdings einiges an Geduld aufgebracht werden, denn erst nach dem beliebigen Dreierpack „Darkest hours“, „Under flaming skies“ und „Infernal maze“ kommt „Elysium“ langsam in Fahrt und erinnert mit „Fairness justified“ an eine skandinavische Fassung Blind Guardians, drückt in „The game never ends“ stärker auf die Tube und kann mit „Lifetime in a moment“ den ersten wirklichen Höhepunkt aufweisen, wo nach lateinischem Gebrabbel in der Ferne ein Gitarrenriff ertönt, dass den Song in den Hauptteil überleitet, in dem im gezähmten Tempo ein zukünftiger Live-Klassiker herangezüchtet wird, der mit einem klasse Refrain und den üblichen Soloambitionen der Instrumente überzeugen kann.

Danach heißt es jedoch wieder warten, wenn „Move the mountain“ als schmachtende Ballade gerade noch im akzeptablen Bereich verweilt und „Event horizon“ als Pseudohörspiel flott aus den Boxen kracht, aber nicht über durchschnittlichen Auf-die-Zwölf-Power Metal hinauskommt, den jede Nachwuchsband ähnlich testosterongesteuert aufs Parkett zaubert. Großes haben sich Stratovarius hingegen mit dem abschließenden Titeltrack vorgenommen. Mit 18 Minuten als der längste Track in der kompletten Diskographie der Finnen lässt sich die Nummer anfangs natürlich Zeit um auf den Hörer zu wirken, schaltet nach fünf Minuten in eine riffgetriebene Midtempowalze um, bei der ausreichend Solopassagen nicht fehlen dürfen, verlässt dieses Territorium allerdings nach sechs, kurzweiligen Minuten wieder und mäandert den Rest des Tracks zwischen Effektgeschwurbel, Lockerungsübungen am Keyboard und hymnisch-melodischem Feuerzeugschwenken herum. Ganz okay, aber über eine Viertelstunde ist für dieses Prog-Power-Ungetüm eindeutig zu lang bemessen.

Unterm Strich ist „Elysium“ (vorausgesetzt man begnügt sich nicht mit oft gehörten Power Metal-Strukturen vom Reißbrett) eine mittelschwere Enttäuschung und hinterlässt Fragen: Wo bleibt die grandiose Verschmelzung aus Klassik und Metal wie sie im Song „Stratosphere“ (aus „Episode“ vom April 1996) zelebriert wurde? Wieso kann der Titeltrack nicht in ähnlich epische Sphären eines „Destiny“ (aus „Destiny“ vom Oktober 1998) vorstoßen? Selbst nach mehreren Durchgängen bleibt die bittere Gewissheit bestehen, dass Stratovarius ihren Zenit längst überschritten haben und in einer künstlerischen Sackgasse angelangt sind, aus der sie sich selbst befreien müssen. Die Frage ist, ob sie das überhaupt können?

Anspieltipps:

  • The Game Never Ends
  • Lifetime In A Moment

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