White Lies - Ritual - Cover
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White Lies Ritual


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Fans des düsteren Elektro-Pops sollten sich lieber nochmal das letzte Album der Editors anhören oder gleich zu den Originalen aus den 80ern greifen.

Alan Moulder hat als Produzent bereits bei unzähligen großen und erfolgreichen Bands hinter den Reglern gesessen und zum Beispiel Depeche Mode, Nine Inch Nails oder auch My Bloody Valentine zum richtigen Sound verholfen. Mit dem Album „Ritual“ der Gruppe White Lies – bestehend aus Charles Cave (Bass), Jack Brown (Schlagzeug) und Harry McVeigh (Gitarre, Gesang) – kann er nun eine weitere, zumindest momentan sehr erfolgreiche Band zu seinen Referenzen zählen. Worauf er nicht unbedingt stolz sein sollte: „Bigger Than Us“, die erste Singleauskopplung, geht zwar noch einigermaßen klar, was wohl an der noch halbwegs überzeugenden Melodie liegt und dem alles überschattenden Bombast, der hier einfach sehr effektiv eingesetzt wird, wenn sich die Band zum Ende hin immer mehr in den Refrain herein steigert.

Doch schon wenn „Strangers“ mit fragwürdigem Kirmes-Techno-Sounds beginnt, fragt man sich, ob White Lies die Gothik-Version von The Killers sein wollen. Sie machen das ganz ähnlich wie die Editors auf ihrem letzten Album „In This Light And On This Evening“ (2009): E-Gitarren sind auf „Ritual“ eher selten zu hören und wenn, dann in den Hintergrund gemischt. Elektronische Elemente geben hier den Ton an. Das wäre auch gar nicht weiter schlimm, wenn die White Lies nicht jegliches Gefühl in dick aufgelegte Schichten von Synthie-Sounds ertränken würden. Selbst die leisen Momente von „Ritual“ klingen überladen und mehrfach fett aufgetragen. Feinfühligkeit scheint der Band ein Fremdwort zu sein und das, obwohl sie doch in ihren Texten die Schattenseiten des Daseins, wie unerfüllte Liebe, thematisiert und gerade da Großspurigkeit doch eher unangebracht ist.

In einem Interview nannten White Lies „The Fragile“ (1999) von Nine Inch Nails als Inspirationsquelle. „Ritual“ hat jedoch nichts mit dem verstörend-intensiven Horrortrip von Trent Reznor gemein, dazu ist es viel zu lieb und banal, es fehlen den Songs jegliche Finesse oder Ideen, die haften bleiben könnten. Ja, die großen Vorbilder (z.B. Depeche Mode, Joy Division, NIN) kann man raushören, deren Klasse geht White Lies jedoch vollends ab. „Holy Ghost“ z.B. landet endgültig in der Trance-Disko, dem Bass von Cave fehlt in den Strophen jeglicher Druck, McVeighs ansonsten schwülstige Stimme geht einem durch den Stimmenverzerrer nur noch mehr auf den Sack. Die Streicher von „Peace & Quiet“ wiederum wirken unangenehm künstlich. Nur „The Power & the Glory“ kann noch positiv überraschen, wenn White Lies mitten im Song plötzlich die Stimmung aufhellen und den Song mit einem feinen Refrain zum Ende führen.

Man kann den drei britischen Jungs nicht absprechen, dass sie nicht wüssten wie man einen Song vernünftig aufbaut, wie „Is Love“ oder „Bigger Than Us“ ja beweisen. Das Problem ist vielmehr diese totale over-the-top Ausgestaltung der Lieder und die Ideenlosigkeit, die einfach jeden Song wie den nächsten klingen lässt. Wenn McVeigh dann auch noch Lyrics wie folgende zum Besten gibt, ist die Band nicht mehr weit davon entfernt, sich lächerlich zu machen: „I bought a tuxedo and I bought a gun / and wore them all around this town / nobody dares to lift a finger / they can see my heart is down and injured“. Fans des düsteren Elektro-Pops sollten sich lieber nochmal das letzte Album der Editors anhören oder gleich zu den Originalen aus den 80ern greifen.

Anspieltipps:

  • Is Love
  • Bigger Than Us
  • The Power & the Glory

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